Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 23. (1970)
NECK, Rudolf: Sammelreferat. Zeitgeschichte
428 Literaturberichte Verfassungs-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte Heide Dienst, Babenberger-Studien. Niederösterreichische Traditionsnotizen als Quellen für die Zeit Markgraf Leopolds III. (Wiener Dissertationen aus dem Gebiete der Geschichte 7.) Verlag des wissenschaftlichen Antiquariats H. Geyer, Wien 1966. 164 S., 1 Abb. Hinter diesem so anspruchslosen Titel verbirgt sich mehr als die zusammenfassende Auswertung durch den Druck bekannter mittelalterlicher Quellen. Dies war vielleicht zunächst die Absicht der Vfn. gewesen, die aber durch die intensive Beschäftigung mit den wohl sprödesten historischen Aussagen zu einem zweiten Ziel vorstößt. Zu Beginn stand die Aufarbeitung des von Mitis hinterlassenen Materials, das für die — unterdessen erfolgte — Edition des vierten Bandes des Babenberger-Urkundenbuches genutzt werden sollte. So ergab sich das Gemeinsame für alle im Einzelnen noch so heterogenen Beobachtungen, Klarstellungen und Schlußfolgerungen dieser Studien: jedes Kapitel trägt zur Kommentierung des •Urkundenbuches bei. Doch zeichnet sich deutlich ab, welche Aufgabe die Autorin in Zukunft in Angriff nehmen sollte: eine moderne, fundierte, alle Irrtümer und Ungenauigkeiten beseitigende Herausgabe des Klosterneuburger Traditionskodex. Zwangsläufig ist die Auseinandersetzung mit den wenigen in Niederösterreich erhaltenen Traditionsbüchern unvermeidbar — nur von Gött- weig und Klosterneuburg kennen wir Schriftgut dieser Art — aber D. begnügt sich nicht damit, den unzureichend publizierten Klosterneuburger Kodex nur als „Hilfsmittel“ für die Erläuterung der Babenbergerurkunden heranzuziehen. Die gründliche Durchdringung (mit einem gewissen Pathos könnte man von einem „Einleben“ in die Materie sprechen) läßt D. zur Spezialistin ganz im besonderen für eine befriedigende Bearbeitung der Klosterneuburger Quelle werden. Ihre Arbeit zeigt demnach zwei Aspekte: einmal werden mit umfassender Literaturkenntnis die in Betracht kommenden Traditionsnotizen von dem Gesichtspunkt aus betrachtet, ein besseres Bild der persönlichen Umgebung des Markgrafengeschlechtes zu bieten; zum zweiten erfolgt der Vorstoß auf ein außerordentlich „heikles“ Gebiet, die „dringend nötige Neuausgabe“ (S. 24) des Klosterneuburger Kodex, die seit mehr als 50 Jahren von verschiedenen Forschern immer wieder als „bevorstehend“ genannt wird. Es muß jedoch ausdrücklich betont werden, daß D.s Ausführungen zu dieser zweiten Komponente nie den Rahmen der durch den Titel gezogenen Grenzen sprengen. Das Gleichgewicht ist gewahrt, die Vfn. vergißt nie, daß bei allem Eingehen auf die reiche Problematik dieser Handschrift Forschungsergebnisse über die Babenberger den Mittel- und Schwerpunkt zu bilden haben. Sie beginnt mit einer Übersicht über die in Niederösterreich heute als verloren anzusprechenden, weiters die vermuteten, erschlossenen und erhalten gebliebenen Traditionsnotizen (daß dabei das Kloster in St. Pölten S. 5 als „kurz nach der Marchfeldschlacht bestehend“ angeführt wird — gemeint ist selbstverständlich die Lechfeldschlacht — sei hier nur