Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 23. (1970)
NECK, Rudolf: Sammelreferat. Zeitgeschichte
420 Literaturberichte in diesem Sinne um die Priesterbildung bemüht iiatte, dann aber, von Josef II. mit dem Bistum Leoben betraut, durchaus nicht die staatlichen Übergriffe in die kirchliche Sphäre widerspruchslos in Kauf nahm. Hier konnte die Autorin wirklich eine Änderung des Bildes vornehmen. Ein richtiges Maß aber für eine tatsächlich auf einer übernatürlichen Glaubenshaltung aufgebaute bischöfliche Tätigkeit gewinnt der Leser erst wieder aus der Lebensskizze Ägid Leipolds von Bischof Roman Zängerle, der das Bistum nach 12jähriger Vakanz 1824 übernahm und es aus seinem deplorablen Zustand innerhalb weniger Jahre emporbringen konnte. Zängerle war während seiner Wiener Professorenjahre im engsten Kreise Clemens Maria Hofbauers gewesen. Die erste Bemühung galt den Diözesanpriestern, für die er auch 1838 die ersten Priesterexerzitien in Österreich wagte. Der Abschnitt ist vor allem durch viele wiedergegebene Worte aus dem Munde oder den Schriften Zängerles selbst, die seine Einstellung und seine Schwierigkeiten als nichtadeliger, landfremder Reformbischof dokumentieren, sehr eindrucksvoll. Derselbe Autor zeichnet auch das Bild des später als Erzbischof von Wien und Kardinal berühmt gewordenen Othmar Rauscher, der hier vier Jahre wirkte, dann jenes des gütigen Seelsorgers Bischof Ottokar Maria Grafen Attems. Von den folgenden Oberhirten ist Johann Baptist Zwerger 1867-—93, ein Südtiroler, die markanteste Gestalt. In der Zeit des Liberalismus hat er die Kirche mannhaft verteidigt, er ist aber auch der erste der Bischöfe, der seinen Einfluß durch zahlreiche Schriften geltend zu machen suchte, worin ihm Bischof Leopold Schuster folgte. Max Liebmann, der das Material für diese beiden Biographien sammelte — aber wohl noch etwas zu wenig gestaltete — zeichnet auch auf Grund der Tagebuchnotizen Dr. Ferdinand Pawlikowskis dessen mühevollen, langen Weg zum Priestertum, während seines Episkopates die Bemühung um die Militärseelsorge und dessen Haltung in der Zeit des Nationalsozialismus. Den letzten der Bischöfe von Graz-Seckau versucht wieder Andreas Posch kurz zu skizzieren, wobei er dessen Initiative und Aufgeschlossenheit für neue Wege lobend hervorhebt. Dieses Buch, dessen lange Reihe von 55 Einzelbiographien dort seine Schwerpunkte hat, wo es sich um Bischofspersönlichkeiten wie Brenner und Zängerle handelt, das aber auch an Aktualität gewinnt, wo sich schon die Probleme der neuesten Zeit abzeichnen, ist gewiß bei manchen Mängeln im Einzelnen eine große Leistung. Es ist schade, daß weder in einer Einleitung noch in einer Zusammenfassung am Schluß eine Überschau unternommen wird, in der Vergleiche gezogen, Parallelen gefunden oder wertvolle Beobachtungen, die sich aus dem Gebotenen nun ergeben, festgehalten worden wären. Die schönen Reproduktionen beleben das Werk in erfreulicher Weise. Anna c 0 r e t h (wien) Handbuch der europäischen Geschichte. Hg. v. Theodor Schiede r. Band 4: Europa im Zeitalter des Absolutismus und der Aufklärung. Hg. v. Fritz Wagner. Union Verlag, Stuttgart 1968. XV und 853 Seiten. Seit dem Frühjahr 1968 schenkt uns die deutsche Geschichtswissenschaft wieder ein in seiner Zielsetzung neuartiges, in Planung und Gestaltung