Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 23. (1970)

NECK, Rudolf: Sammelreferat. Zeitgeschichte

Rezensionen 421 gediegenes Handbuch. Als erster Band erschien im Frühjahr dieses Jahres der 6. Teil über die Zeit von 1870 bis 1918, dem bald der vorliegende 4. Band über die Epoche von 1648 bis 1789 folgte. Herausgeber des Gesamt­werkes ist Theodor Schieder. Das Handbuch behandelt, in Anlage und Aufbau dem altbewährten Gebhardt ähnlich, die europäische Geschichte. Für die amerikanische Geschichte sind vom selben Verlag zwei Bände eigens geplant, ebenso eine fünfbändige europäische Wirtschafts- und Sozialgeschichte, sodaß diese Bezüge im vorliegenden Kompendium knap­per ausfallen können. Das Hauptgewicht liegt dementsprechend auf der politischen Geschichte, dabei aber weniger auf dem militärischen und diplomatischen Sektor, als dies bei früheren Handbüchern der Fall war. Dieses neue Handbuch kommt daher, wenn es den Konzeptionen ent­sprechen wird, einem echten wissenschaftlichen Bedürfnis nach. Die bei­den bisher erschienenen Bände ermutigen uns zu den besten Hoffnungen, vor allem der 6. Band, der von Schieder selbst redigiert wurde, aber auch der vorliegende 4. Band, für den Fritz Wagner federführend war. Von ihm stammt auch das umfangreiche allgemeine Einführungskapi­tel, in dem er zunächst über die innere Einheit der Epoche vom West­fälischen Frieden bis zur Französischen Revolution handelt. Die inter­nationalen Beziehungen des europäischen Staatensystems werden ebenso in ihren ideologischen Bezügen wie auch im Hinblick auf die Entwicklung des Völkerrechtes beleuchtet. Dementsprechend setzt W. auch den Staats­lehren der Zeit die VerfassungsWirklichkeit des Absolutismus und im besondern auch die Wehrverfassung gegenüber. Dieselbe Gegenüberstel­lung von Theorie und Praxis finden wir auch im Abschnitt über die Wirtschaft, weniger im sozialgeschichtlichen allgemeinen Teil. Wichtig ist auch für eine europäische Sicht die Wirkung internationaler Gruppen, die am Beispiel der Hugenotten und ihrer europäischen Funktion, wie auch der weltumspannenden Bruderschaft der Freimaurer dargestellt werden. Dennoch erscheint uns diese Auswahl zu wenig, zumal auch im folgenden Abschnitt über das christliche Europa die Rolle der großen Kirchen in dieser Hinsicht zu kurz kommt. Auch die Wirkungen des neuen wissen­schaftlichen Denkens sind etwas zu knapp skizziert. Hingegen ist der Abschnitt über das Jahrhundert der Erziehung als besonders gelungen hervorzuheben. Auch die Kunst der Epoche findet ihre gebührende Berück­sichtigung. Der an sich hochbedeutende Abschnitt über das Europa­bewußtsein der Zeit ist hingegen etwas dürftig ausgefallen, im Text selbst sogar zu oberflächlich, doch sind die diesbezüglichen Literaturangaben durchaus dem Stande der Forschung entsprechend. Im zweiten Teil werden die einzelnen Staaten von ausgesuchten Auto­ren behandelt. Ganz vorzüglich ist hier von Eberhard Weis das Kapitel über Frankreich von 1661 bis 1789. Die Periodengrenze der einzelnen Abschnitte halten sich nicht an die Grenzjahre des Gesamtbandes. Kurt K 1 u x en behandelt Großbritannien von 1660 bis 1783. Daß der Abschnitt über das Reich, die Habsburgische Monarchie und Brandenburg-Preußen von Gerhard Oestreich für unseren Geschmack zu knapp ausgefallen ist, liegt in der Gesamtanlage des Werkes begründet, in dessen Rahmen er sich fügen muß. Hier genügt der Hinweis auf denverwandten Gebhardt.

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