Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 23. (1970)

NECK, Rudolf: Sammelreferat. Zeitgeschichte

414 Literaturberichte Lage hat sich Maximilian II. begreiflicherweise gehütet, sich auf ein solches Unternehmen einzulassen. Daß der Kaiser aus Freude über die Siegesnachricht von Lepanto eine ganze Nacht nicht schlafen konnte und daß Commendone die Mitteilung darüber zum Hinweis benützte, daß bei einer so glänzenden Gelegenheit auch keine Zeit zum Schlafen sei, ist eine hübsche, aber wirkungslose Szene (S. 121 Nr. 61). Großen Raum nimmt auch der Kampf Cosimos um den ihm vom Papst verliehenen Groß­herzogtitel ein, ohne daß am Kaiserhof in diesem Zeitraum eine Entschei­dung gefallen wäre. Dagegen treten die Vorgänge in den Erblanden, das zähe Ringen mit den Ansprüchen des protestantischen Adels, verhältnis­mäßig zurück. Hier erfahren wir kaum etwas Neues. Wichtig sind dagegen die Berichte über die Hochzeit Erzherzog Karls mit Maria von Bayern, die von der Kurie bewußt mit der Absicht gefördert wurde, den Glaubens­eifer der Wittelsbacher so auf die weit indolenteren Habsburger zu über­tragen, was ja dann auch in vollem Maße gelungen ist. Köstlich ist dabei das ständige Hin und Her um das päpstliche Hochzeitsgeschenk, wobei Delfino der Kurie und diese dem Nuntius stets den Vortritt lassen wollte. Nachrichten aus dem Westen, von England und den Niederlanden, erwie­sen sich meist als falsch. Wichtiger sind die Berichte aus dem Osten und Südosten, aus Polen, der Walachei, Siebenbürgen und Kroatien, obwohl sich auch da die venezianischen Dispacci stets als ausführlicher erweisen. Der Kommentar ist übersichtlich angeordnet, das Register einfach und zweckmäßig gearbeitet. Daß die sehr zahlreichen Verweisungen nicht nach Seiten, sondern nach Nummern erfolgten, verursacht zusätzliche Such­arbeit. Gelegentlich hätte man sich, besonders bei Nachrichten aus dem Osten, genauere Angaben in den Anmerkungen und im Register wün­schen können. So erfährt man etwa von Stephan Dobó, dem ungarischen Nationalhelden als Verteidiger von Eger 1552 und späteren kurzfristigen Woiwoden von Siebenbürgen lediglich, daß er ,,ein Ungar“ gewesen ist (Register S. 285). Das Bistum Csanád wird beharrlich mit falschem Ak­zent geschrieben, das Komitat Békés hat S. 255 Anm. 7 seine Akzente aufgegeben. Der auf S. 243 genannte türkische Wesir Piale Pascha fehlt im Register. Die nicht näher identifizierte kroatische Festung „Ramisi“ (S. 126) ist wahrscheinlich Rismince an der oberslawonischen Grenze. Unter den weder in den Erläuterungen noch im Register berücksichtigten „Sangiacchi“ (S. 246) werden wohl Türken aus dem Sandschak von Temesvár zu verstehen sein. Über die Verhältnisse in Siebenbürgen und die hier vorkommenden Namen hätte das im Literaturverzeichnis fehlende Standardwerk von Roderich Gooß über die österreichischen Staatsverträge mit Siebenbürgen (Wien 1911) erschöpfende Auskunft geben können. Freilich muß auch zugegeben werden, daß die entsetzliche Verballhornung besonders der deutschen Namen durch die Italiener eine Identifizierung oft sehr erschwerte. So wird etwa aus Ungnad ein „Unguenoto“, aus Schranz ein „Scerenza“, aus Kobenzl ein „Goubenzer“ und aus dem Oberststallmeister Rudolf Khuen sogar ein „Signor Coan“ (S. 197). In einem so weite Räume umfassenden Quellenwerk konnten Fehler kaum vermieden werden. Wir haben so alle Ursache, dem Bearbeiter und den

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