Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 23. (1970)

NECK, Rudolf: Sammelreferat. Zeitgeschichte

Rezensionen 415 Herausgebern dafür zu danken, daß mit dem vorliegenden Band ein so langwieriges Unternehmen gut zum Abschluß gebracht werden konnte. Hans W a g n e r (Salzburg) Epistulae ad S. Iosephum Calasanctium ex Europa Centrali 1625—1648. Collectae ac commentariis historicis illustratae a P. Georgio S á n t h a, Sch. P. (Monumenta historica Scholarum Piarum.) Editiones Calasanctianae, Romae 1969. XXXI, 1263 S., 13 Abb. Immer wieder finden sich neue Quellen zur Geschichte des Dreißig­jährigen Kriegs, sei es für die kriegerischen und politischen Angelegen­heiten, sei es für die Kultur und die Religion. Briefe sind seit jeher wichtigstes Material für das Studium einer Epoche, und so scheint es begrüßenswert, wenn der Piaristenorden eine Edition der Briefe aus „Zentraleuropa“ der Jahre 1625 bis 1648 vorlegt, die alle an den Ordens­gründer Joseph von Calasanz gerichtet waren. Unter „Zentraleuropa“ ist hier Österreich, Böhmen, Mähren, Ungarn und Polen zu verstehen, von wo etwa Wladislaw IV. an Calasanz schreibt. 563 Briefe, fast alle aus dem Archiv des Generals der Piaristen in Rom selbst, sind in dem voluminösen Band enthalten. 481 davon schrieben Angehörige des Ordens, 82 Außen­stehende (Kardinäle, Fürsten, Grafen usw.). Alle oben erwähnten Aspekte, unter denen eine so entscheidende Epoche zu betrachten ist, scheinen in ihnen auf. Als besonders interessant seien aus der Vielzahl zwei Schreiben hervorgehoben, die am 23. und 24. Februar 1634, also unmittelbar vor der Ermordung Wallensteins in Eger, aus Nikolsburg nach Rom abgingen und in denen zwei Patres unabhängig voneinander über die Umsturz­pläne und Krönungsabsichten des Feldherrn („Esso si voleva coronar Re di Bohemia et il Duca di Sassonia Re de Romani“) berichten (S. 49 ff und 658 f). Gerade während dieses Kriegs wurden die Piaristen von Kardinal Dietrichstein nach Mähren gerufen und erweiterten so ihre Provinzanzahl auf sechs im Jahre 1637. 27 Häuser, 124 Priester, 79 Kleriker, 159 Brüder und 70 Novizen bildeten den Stand des Ordens, der sich bekanntlich dem unentgeltlichen Jugendunterricht durch das vierte Gelübde verpflichtete. Österreich dankt ihm seit 1657 nicht nur schöne Bauten, sondern auch die Organisation der Volksschulen. Die vorliegende Sammlung wurde aus Anlaß der 300-Jahrfeier der endgültigen Bestätigung des Ordens 1669 durch Clemens IX. herausgebracht. Eine lateinische Einleitung führt den Benützer des Werkes in dessen Problematik ein und läßt dann die in italienischer und spanischer Sprache abgefaßten Briefe in der alphabeti­schen Reihenfolge der Verfasser folgen. Ein Personen-, Orts- und Sach­register sowie ein Briefverzeichnis (chronologisch, wie die Briefe im Text wohl zweckmäßiger zu reihen gewesen wären) erleichtern das Auffinden der einzelnen Schreiben. Die Bilder zeigen einige Verfasser der Briefe und die Ordensniederlassungen, aus denen sie stammen. Eine reiche Biblio­graphie ergänzt das Ganze. Alles in allem eine Edition, die bei künftiger Behandlung der Zeit und Umwelt des Dreißigjährigen Kriegs nicht unbe­achtet bleiben darf. Lorenz Mikoletzky (Wien)

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