Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden 73 Herren auf und zogen täglich aus Gent und Brügge Futtermittel und an­dere Lieferungen für einen Wert von mehr als tausend Dublonen. Sie plünderten das Land schlimmer aus als feindliche Eroberer, da die andern Verbündeten für einen solchen Fall keine Maßnahmen getroffen hatten. Von den holländischen Ministern behaupteten die einen, ihre Republik müsse aus Geldnöten unbedingt Frieden schließen, besonders da die Stadt Amsterdam die Auferlegung einer besonderen Steuer verweigert hatte; andere traten für eine energische Fortsetzung des Krieges ein. Hortiz erwartete, die Friedensbedingungen der Franzosen würden den General­staaten die Augen öffnen, aber leider war auch in ihrem Lande mit Bestechungen zu rechnen4). Die letzten Nachrichten aus England mel­deten von einer Umbildung der Regierung, doch erwartete Hortiz nicht viel von Männern, die nur darin einig waren, Österreich zu schaden. Die Generalstaaten hatten ihr Geschwader aus dem Mittelmeer zu­rückgezogen, aber sie wollten Anfang Januar 1713 einige ihrer Kor­sarenschiffe mit Korn nach Katalonien schicken. Falls die kaiserlichen Truppen dieses Land behaupten könnten, war die Lage noch keineswegs verzweifelt, da immer noch ein Umschwung eintreten konnte. Die Pro­vinzen der südlichen Niederlande hatten die Bewilligung von Subsidien verweigert, so lange der Kaiser nicht als Souverän ihres Landes anerkannt und inauguriert wäre. Zwar war diese Forderung ganz berechtigt, aber die Generalstaaten würden nicht darauf eingehen, unter dem Vorwand, gemäß den Abmachungen müsse zuerst die Barrierefrage geregelt wer­den. Sie verstanden wohl, daß es für sie ganz wichtig war, daß die süd­lichen Niederlande in den Besitz Österreichs kämen, doch vergaßen sie über ihren Ansprüchen die wichtigsten Interessen ihres eigenen Landes. Consbruch war so krank, daß er die Reise nach Wien nicht antreten konnte. Auch Corzana hatte gebeten, dorthin abreisen zu dürfen, aber der Kaiser hatte ihm die Erlaubnis verweigert. Die Vertreter von Frank­reich und Portugal hatten einen Waffenstillstand von vier Monaten für ihre Länder abgemacht. Am 18. November schrieb Hortiz an Kurz, die Generalstaaten be­reiteten einen Feldzug für das folgende Jahr vor und hätten die An­werbung von Truppen beschlossen; es war jedoch zweifelhaft, ob die Stände der Provinzen diesen Plan billigen würden. Die Abfahrt eines Transportes von Korn nach Katalonien sollte eher geschehen, als Hortiz erwartet hatte. Die Friedensverhandlungen waren abgebrochen worden, da auf Strafford gewartet wurde, der die letzten Beschlüsse der Königin von England überbringen sollte 5). Auch diesem Brief legte er eine Flug­schrift bei. 4) „La lastima es que los Luyses de Francia no tienen menor valor aqui que en Inglaterra.“ 5) Strafford verhandelte vorher noch mit den Generalstaaten und dem Magi­strat von Amsterdam. C. C. P. E., Februar 1713, S. 142.

Next

/
Thumbnails
Contents