Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

74 Alphonse Sprunck Am 23. Dezember schrieb Hortiz vom Haag aus an Kurz, Strafford habe den Generalstaaten und den andern Verbündeten einen Friedensplan vorgelegt, den die Franzosen diktiert hätten. Er legte eine Abschrift da­von bei6). Trotzdem er kühn, extravagant und schädlich war, war Ge­fahr, daß er von den Generalstaaten angenommen würde, da vielen von ihnen ihre eigenen Interessen wichtiger waren, als die der Republik. Die Kaufleute und der größte Teil des Volkes sahen dessen schlimme Folgen voraus, aber ihre Klagen würden wahrscheinlich wenig beachtet. Die Ver­treter der Provinzen und Städte, die sich versammelt hatten, hatten noch keine Entscheidung getroffen. Wahrscheinlich warteten sie auf einen Ent­schluß des Kaisers, zu dem ein Kurier gesandt worden war; sie fürchteten, den Monarchen im Stich zu lassen, da sie annahmen, er würde seine Zu­stimmung zu einem solchen Friedensplane verweigern. Am 3. Februar 1713 schrieb Hortiz von Utrecht aus an Kurz, die Ver­treter Englands hätten dem Kongreß immer noch nicht die Friedensbe­dingungen vorgelegt, von denen er schon eine Abschrift nach Barcelona gesandt hatte. Wie lang sie damit warten würden, wußte niemand. Wie behauptet wurde, begehrten die Franzosen noch größere Vorteile als die, die ihnen angeboten wurden; Zugeständnisse waren von ihnen nicht zu erwarten, da sie von den Engländern unterstützt wurden und die General­staaten zu schwach waren, um Widerstand zu leisten. Die Schwierig­keiten, die der Kaiser mit den Türken und andern Mächten hatte, hatten ihn genötigt, in Verhandlungen mit den Engländern zu treten, auf Grund­lage der Angebote, die diese ihm gemacht hatten; es galt, in Katalonien und Italien einen Waffenstillstand zu schließen und die Kaiserin heim­zubringen. Beständig wurde darüber verhandelt, ohne daß Fortschritte erzielt wurden. Auch auf Versprechen der Engländer war nicht viel zu trauen, da sie in allem den Franzosen gehorchten. Die Generalstaaten hatten sich noch nicht geäußert, doch war eher anzunehmen, daß sie Frieden schließen wollten. Auch von einer Um­gestaltung im Magistrat von Amsterdam, dessen Haltung großen Einfluß auf die der Generalstaaten hatte, war kein Vorteil für Österreich zu er­warten. Diese hatten sich mit England geeinigt wegen der Barriereplätze und der gegenseitigen Hilfe, die sie sich in einem Abwehrkriege gegen Frankreich leisten sollten7). Für den Fall des Todes der Königin von England war auch die Frage ihrer Nachfolge geregelt. Schlechte Nach­richten über die militärischen Operationen in Spanien waren für Hortiz 6) Resumen dei projecto de paz, que Millort Strafort ha communicado a los Estados Generales y demás aliados a su buelta de Landres en el mese de diziembre de 1712 (ABV, Reg. 104). 7) In England wurde vielfach behauptet, allein die übertriebenen Forderun­gen der Holländer auf Barriereplätze würden den Frieden verzögern. C. C. P. E., März 1713, S. 204. Über die Haltung der Anhänger Österreichs zu diesen Verhandlungen: ibidem, S. 267.

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