Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)
SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714
68 Alphonse Sprunck tragung der beiden Ämter, um die er gebeten hatte, verweigert; zwar hätten nach dessen Ansicht weder der Staatsrat noch die Konferenz gegen eine solche Vergünstigung protestieren können, doch wollte er sich der Entscheidung des Monarchen fügen. Ormond hatte von seiner Königin das Verbot erhalten, noch weiter gegen die Franzosen zu kämpfen33). Mit dieser unerwarteten Botschaft begab sich Sinzendorf am 1. Juni 1712 nach dem Haag, um mit den Generalstaaten die neue Lage zu besprechen. Am 3. Juni meldete er Hor- tiz, diese hätten noch keinen endgültigen Beschluß gefaßt, doch hätten sie ihren Generälen und Vertretern bei der Armee den Befehl gegeben, in allem dem Prinzen Eugen zu gehorchen. Dies teilte Hortiz Kurz durch seinen Brief vom 3. Juni mit. Am selben Tage hatten auch die Generalstaaten ihren Vertreter in London beauftragt, von der Königin für Ormond die Erlaubnis zu erhalten, weiterzukämpfen34). Aber Hortiz war überzeugt, daß die englischen Minister schon mit Ludwig XIV. einen Vertrag abgeschlossen hatten; diesen mußten sie unter allen Umständen ein- halten, wie auch der Bischof von Bristol auf dem Kongreß den Vertretern der Generalstaaten erklärt hatte. Trotz allen Schwierigkeiten verlor Hortiz das Vertrauen auf den Endsieg keineswegs35). Wie aus Paris gemeldet wurde, hatten die Vertreter Philipps von Anjou Pässe erhalten, um nach London zu kommen. Ebenso wenig war bekannt, worüber die Vertreter der Herzoge von Savoyen und Lothringen dort verhandelten. Die beiden waren vor einigen Tagen dorthin gereist, wahrscheinlich um allerlei extravagante Forderungen auf Kosten des Kaisers durchzusetzen 36). Am 24. Juni schrieb Hortiz an Kurz, die Königin von England habe am 17. ihrem Parlament einen ganz unmöglichen und ehrlosen Entwurf zu einem Friedensvertrag vorgelegt37 *). Das Unterhaus hatte ihn einstimmig gebilligt, während die Kammer der Lords mit 84 gegen 36 Stimmen 83) Über die Haltung Englands: Arneth, Band 2, 224—226, Redlich, S. 125. 34) Der Vertreter Hollands in London hatte den Deputierten der Whigpartei ein Flugblatt verteilen lassen, in dem die Königin aufgefordert wurde, den Kampf gegen Frankreich fortzusetzen. Ihre Gegner im Unterhaus bezeichneten diesen offenen Brief als „Libelle faux, scandaleux et malicieux“. C. C. P. E., August 1712, S. 123 f. 35) „Conviene no perder el animo y continuar todos los esfuerzos posibles (como espero lo hará nuestro amo) para desvaneger este nublado, siendo gierto, que aunque el riesgo en que nos vernos es muy grande, tambien lo es que podemos tener remedio y salir bien de él.“ 38) Uber die Forderungen des Herzogs von Lothringen: C. C. P. E., Mai 1712, S. 316—318. 37) Uber die Vorschläge der Königin Anna: Arneth, Band 2, S. 231 f. Ihre Rede vom 17. Juni an das Parlament wurde veröffentlicht in der C. C. P. E. vom August 1712, S. 126—134. Hortiz bezeichnete den englischen Entwurf zum Frieden als „extravagante, impracticable, injusto y contrario al verdadero interés de la nagión.“