Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden 69 beschlossen hatte, die Entscheidung der Königin und ihren Ministern zu überlassen. In Utrecht war man der Ansicht, diese Abstimmung würde nicht die Folgen haben, die die Engländer und Franzosen davon erwarte­ten, da die Ausführung der vorgeschlagenen Bestimmungen auf unüber­windliche Schwierigkeiten stoßen würde. Alle Verbündeten, besonders die Holländer, deren Handel durch einen solchen Vertrag ruiniert würde, dürften dessen Ausführung nicht zulassen. Sinzendorf war nach dem Haag gereist, um mit den Generalstaaten zu verhandeln. Hortiz warf den Engländern vor, sie wollten ganz Europa Gesetze machen; er war über­zeugt, die andern Verbündeten würden sich solchen Plänen nicht beugen. Da die Vertreter des Herzogs von Savoyen nunmehr einsahen, daß ihre Bemühungen um die eventuelle Nachfolge ihres Monarchen in Spanien keinen Eindruck machten, läugneten sie diese ab. In der Sitzung des Kongresses vom 17. Juni las der Bischof von Bristol den Brief seiner Königin vor; er bemerkte dazu, ihre Vorschläge stimmten ganz überein mit den Plänen der Verbündeten, und sie wären wohl geeignet, den Krieg zu beenden. In einem Brief vom 28. Juni schrieb Hortiz an Kurz, die Vertreter der andern Mächte wollten ihm auf seine Fragen keine Antwort geben, bis Strafford zurückgekehrt sei; sie rech­neten jedoch nicht mit der Möglichkeit, die englischen Minister von ihrem Entschluß abzubringen38). Die Verbündeten würden sicher Schwierig­keiten machen, um sich dem Willen der englischen Regierung zu fügen, aber sie würden auch ihre Bemühungen in diesem Sinne übertreiben, um vom Kaiser größere Zugeständnisse zu fordern. Alle Holländer verstanden klar, daß der Besitz Spaniens und seiner Kolonien durch Frankreich, der von Gibraltar und Port Mahon durch England, den Ruin ihres Handels und den Verlust ihrer Unabhängigkeit bedeuten würde. Die Bürger von Amsterdam behaupteten öffentlich, die Generalstaaten müßten den Krieg nötigen Falls sogar ohne jede Unter­stützung der Verbündeten fortsetzen 39). Wie behauptet wurde, sollte Or­mond Dünkirchen besetzen; viele behaupteten, Frankreich habe zwar eine Besetzung dieser Festung durch die Engländer zugestanden, würde sie aber erst nach Friedensschluß zulassen40). Die Franzosen behaupteten, das Friedensprojekt, das die Königin dem Parlament mitgeteilt hatte, stimme nicht überein mit dem, das ihre Vertreter mit den englischen Ministern abgemacht hätten. Durch solche Meinungsverschiedenheiten war das Einvernehmen zwischen London und Versailles bedroht. In einer Nachschrift erklärte Hortiz, Ormond habe am 25. von der 38) Strafford reiste am 9. Juli ab nach Flandern, um den englischen Gene­rälen den Entschluß der Königin mitzuteilen. C. C. P. E., August 1712, S. 157. 3») In mehreren Artikeln erklärte diese Zeitung, nur die Generalstaaten würden aus einer Fortsetzung des Krieges Vorteile ziehen. 40) Englische Kriegsschiffe brachten am 19. Juli 5000 Mann nach Dünkir­chen.

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