Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)
SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714
Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden 67 Prinz Eugen, der in London kein allzu günstiges Resultat erreicht hatte, wartete im Haag, bis die Armee in Flandern vereinigt sei; die kaiserlichen Truppen aus dem Reich konnten nicht so rasch nach den niederländischen Provinzen kommen. Am 3. Mai schrieb Hortiz an Kurz, der Verdacht, wenn nicht die Sicherheit, daß London und Versailles geheime Besprechungen führten, bestätige sich täglich immer mehr. Zwar sollten die Franzosen am folgenden Tage ihre Vorschläge überreichen, aber Hortiz rechnete mit einer neuen Verzögerung, da Ludwig XIV. nach dem Tode des zweiten Dauphin die Absicht habe, Spanien dem Herzog von Savoyen zu überlassen31). Der Herzog von Anjou wurde wegen der Kränklichkeit seines Neffen schon als Dauphin von Frankreich angesehen. Ludwig XIV. würde aber wegen der Ausführung dieses Planes auf Schwierigkeiten stoßen; dafür mußte er die Seemächte gewinnen, da der Herzog von Savoyen ihnen für ihren Handel im Mittelmeer nicht mehr Sicherheit bot, als Philipp von Anjou. Die Sorge für ihren Handel war für England und Holland der einzige Grund, Krieg zu führen; als König von Spanien wäre aber der Herzog von Savoyen genau so abhängig von Frankreich, wie Philipp von Anjou. Hortiz hatte aber die Hoffnung auf einen günstigen Ausgang der Verhandlungen nicht ganz verloren und zeigte als echter Spanier großes Vertrauen auf Gott32 *). Prinz Eugen und der Herzog von Ormond, der die englischen Truppen befehligte, hatten ihre Armeen schon in Flandern vereinigt und verfügten über eine große Übermacht über die Franzosen. Im Haag hatte Hortiz mit vieler Mühe einen seiner Bekannten bewogen, Corzana Geld für seine Teilnahme als zweiter Bevollmächtigter am Utrechter Kongreß vorzustrecken. Trotz mehrerer Aufforderungen hatten die französischen Kommissäre ihre Vorschläge auch am 20. Mai noch nicht eingereicht, so- daß der Kongreß vorläufig nicht weiter kam. Hortiz schrieb an diesem Tag an Kurz, er erwarte sie auch nicht, bevor diese über genaue Nachrichten über die Verhandlungen ihres Königs mit den englischen Ministern verfügen würden. Zwar behaupteten die Franzosen, alle Schwierigkeiten seien schon geregelt, aber aus den letzten Briefen aus London ging das Gegenteil hervor, sodaß mit einem Abbruch der dortigen Verhandlungen zu rechnen war. Durch diese war Uneinigkeit entstanden zwischen den Engländern und Holländern, da jene sich der Schaffung einer Barriere in den südlichen Niederlanden widersetzten. In einer Broschüre, die Hortiz seinem Briefe beilegte, war bewiesen, daß eine solche den beiden Seemächten zum Vorteil gereichte. Der Kaiser hatte Hortiz die Über31) Tatsächlich hatten die Vertreter des Herzogs von Savoyen diese Forderung erhoben. C. C. P. E., Mai 1712, S. 312 f. 32) „Esperemos en la Divina Misericordia que protejerá la justitia de Su Maj estad por medios en que no tendrán parte los hombres, y que le conservará el dominio de S. Augustissima Casa contra la mala fee y violengia de los que intentan privarle de él.“ 5*