Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

66 Alphonse Sprunck lag ein Exemplar einer Amsterdamer Zeitung bei, die unter dem 20. März folgende Meldung brachte: „II y eut Jeudi une Conférence particu- liére, et hier une générale. Jusqu’á présent, les Plénipotentiaires de France n’ont pás accordé de Passeports pour les Couriers du Portugal, mais seulement ä ceux de Savoye: La plus grande difficulté vient de la part du Roi Philipe, á cause du refus qu’on a fait d’admettre ses Plénipotentiaires au Congrés.“ Die Vertreter der Verbündeten hatten von den Franzosen genaue und schriftliche Antworten verlangt. Prinz Eugen und Corzana waren am Abend des 10. April von London nach dem Haag gekommen. Hortiz hatte am 9. März von Kurz Befehl erhalten, ihm alle Druckschriften, die sich auf die Verhandlungen bezogen, zu übersenden. Die Unterhändler Lud­wigs XIV. hatten am 10. April immer noch keine Antwort überreicht, unter dem Vorwand, sie müßten Anweisungen von Versailles ab warten. Die große Gefahr für den Kaiser bestand darin, daß sie mit den Ver­tretern der einzelnen Staaten Verhandlungen beginnen könnten, bevor diese sich unter sich über ihre Forderungen geeinigt hätten. Da England, Holland, Preußen, Portugal und Savoyen und die andern Verbündeten geringere Forderungen an Ludwig XIV. zu stellen hatten, konnte er sich leichter mit diesen Staaten einigen. In diesem Falle war Österreich in Gefahr, isoliert zu werden, wenn seine Bevollmächtigten Forderungen auf die gesamte spanische Monarchie erhoben, deren Erbfolge die einzige und wahre Ursache des langen Krieges war. Die Verbündeten des Kaisers könnten ihm dann ihren Willen auf­zwingen. Hortiz aber erwartete besonders von den Generalstaaten, daß sie niemals in einen Verzicht Österreichs auf die spanische Monarchie ein­willigen würden. Prinz Eugen verhandelte mit den Generalstaaten wegen einer Offensive, die er im Juni unternehmen wollte28). Corzana er­wartete vom Kaiser eine Unterstützung in Geld, damit er ihn in Utrecht in würdiger Weise vertreten könnte; aus Mangel an Mitteln weilte er vorläufig im Haag. Die Vertreter Ludwigs XIV. sandten täglich Berichte nach Versailles und erhielten solche von dort, gaben aber keine Ant­wort29). Am 15. April schrieb Hortiz an Kurz, sie würden diese aufschie­ben, bis die Londoner Regierung in der Lage wäre, die Maske abzuwer­fen; die Franzosen hofften, dieser Zeitpunkt würde bald kommen. Sie dürften sich aber darin täuschen, besonders da der Prätendent aus dem Hause Stuart schwer erkrankt war30). 28) Arneth, Band 2, S. 219, Redlich, S. 125. 29) Die Anweisungen, die die Vertreter Ludwigs XIV. erhalten hatten, wur­den veröffentlicht von Legrelle, S. 619—637. — D’Huxelles hatte am 30. März erklärt, die Verhandlungen könnten nunmehr beginnen. Die Weigerung der Franzosen, ihre Vorschläge bekannt zu geben, wurde damit begründet, daß die Verbündeten den Vertretern der Kurfürsten von Bayern und Köln die Pässe für Utrecht verweigert hätten. C. C. P. E., Mai 1712, S. 318 und 351. so) Principe de Guales im Text. Dieser Prinz starb tatsächlich erst 1766.

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