Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

62 Alphonse Sprunck der Verbündeten ihre Winterquartiere schon bezogen. Hortiz hatte die Absicht, binnen drei Tagen nach Brüssel zurückzukehren, wo die Unord­nung in der Verwaltung noch viel schlimmer geworden war; seitdem die Vollmachten des Staatsrates beschränkt waren, übten dessen Mitglieder ihre anderen Ämter nicht mehr aus. Wenn der Kaiser die Einnahmen des Bistums Antwerpen während der Sedisvakanz für sich in Anspruch nehmen wollte, mußte er sofort eine Entscheidung treffen. Hortiz verließ den Haag auf dem Seewege, um nicht französischen „Partisanen“ in die Hände zu fallen. Auf der Reise geriet er in einen heftigen Sturm, durch den viele Schiffe untergingen. Am 23. November schrieb er an Kurz, die Königin von England habe Gallas befohlen, ihr Land zu verlassen 16). Ursache oder Vorwand zu diesem Befehl war ein allzu heftiger Wortwechsel mit ihrem Staatssekretär. Gallas hatte diesem vorgeworfen, daß er ihm über die Verhandlungen mit Frankreich nichts mitgeteilt hatte. Hortiz hatte immer gefürchtet, Gallas wäre dem neuen Londoner Ministerium wenig genehm und er hatte Kurz schon vorher geschrieben, es wäre besser, ihn abzuberufen. Jedenfalls mußte der Kaiser dies jetzt tun und ihn durch einen an­dern Gesandten ersetzen, der die Intrigen der Franzosen abwehren könnte. Diese wollten die Königin von England von ihren Verbündeten abtrünnig machen oder das Land in einen Bürgerkrieg verwickeln; für den Kaiser war das Resultat in beiden Fällen dasselbe. Immerhin konn­ten die Generalstaaten, denen der Kaiser vorläufig Vertrauen schenken durfte, Einfluß auf die Haltung Englands ausüben. Wie aus einem beiliegenden Zeitungsblatt hervorging, hatten sich in Brüssel die Gegensätze zwischen der Konferenz und dem Staatsrat etwas ausgeglichen. Die Provinzen Brabant und Limburg wollten Vertreter zur Huldigung für den Kaiser nach Frankfurt senden; Hortiz hätte lieber gesehen, wenn sie ihm das Geld für diese Reise als Subsid für die Fort­setzung des Krieges überlassen hätten. Von den Ständen von Flandern und Hennegau wurde dasselbe behauptet; Hortiz sah alle diese Deputa­tionen nur als Vorwand an, um Forderungen zu stellen. Auch Merode- Westerloo 17), der Herzog von Arenberg, Graf d’Ursel und der Marqués de Campo waren nach Frankfurt gereist; viele andere wollten ihnen fol­gen, sobald sie dazu die Erlaubnis des Kaisers hätten. Marlborough und Orrery waren nach England abgereist. Am 12. Dezember schrieb Hortiz an Kurz, die Generalstaaten hätten dem wiederholten Drängen der Königin von England nachgegeben, um den Bevollmächtigten Ludwigs XIV. Pässe auszustellen; am 12. Januar 1712 sollten in Utrecht Verhandlungen beginnen auf Grundlage der un­bestimmten Vorschläge, die sie in London gemacht hatten. Obwohl die >6) Redlich S. 122, Arneth, Band 2, S. 188 f. 17) Merode-Westerloo berichtet in seinen Memoiren nichts über diesen Auf­enthalt in Frankfurt.

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