Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden 63 Franzosen sicherlich die Minister bestochen hatten, die nunmehr in Lon­don die Macht in Händen hatten, rechnete Hortiz nicht mit einem Erfolg ihrer Bemühungen, da nicht das ganze englische Volk seine Interessen und die Verträge, die seine Minister vor dem Krieg mit seinen Ver­bündeten geschlossen hatte, vergessen würde1S * * *). Er hoffte, in einigen Tagen, sobald das Parlament zusammen käme, weitere Neuigkeiten zu erfahren. Der Kaiser sollte keine Bevollmächtigten auf diesen soge­nannten Friedenskongreß senden und fest auf seinem Entschluß beharren, gemeinsam mit seinen Verbündeten bis zum Endsieg zu kämpfen19). Hortiz erwartete, die Seemächte würden bald eine Entscheidung über ihre zukünftige Haltung treffen, zumal die Generalstaaten, die dem Kaiser zu Dank verpflichtet waren. Die Franzosen bereiteten mit 30 000 Mann eine Offensive vor. Auf seine Bitte, nach Frankfurt kommen zu dürfen, hatte er bis jetzt noch keine Antwort erhalten. Am 31. Dezember schrieb Hortiz an Kurz, Prinz Eugen weile noch immer im Haag, um die Seemächte zu bewegen, auf die neuen Friedens­vorschläge Ludwigs XIV. nicht einzugehen. Die Zukunft war ungewiß, aber in England waren die Meinungen jedenfalls sehr geteilt. Bei der Eröffnung des Parlamentes am 18. Dezember hatte das Oberhaus er­klärt, die Interssen und die Ehre der Nation würden nicht zulassen, daß ein Bourboné König von Spanien und seiner Kolonien würde20). Viele Deputierten des Unterhauses waren von Frankreich bestochen. Immerhin hatte diese Kammer erklärt, sie wolle der Königin die Entscheidung über Krieg und Frieden überlassen, und die angefragten Subsidien bewilligt. Die Königin hatte eine Aushebung von Rekruten für die niederländischen Provinzen verfügt. Prinz Eugen und Corzana reisten am 8. Januar 1712 nach London21). In einem Brief an Kurz vom 11. Januar beklagte sich Hortiz, daß er schon lange keine Nachrichten mehr aus Spanien erhalten hatte. Die Franzosen erklärten offen, daß sie für die Verhandlungen in Utrecht dreißig Millionen Bestechungsgelder ausgegeben hatten, all das Geld, das für den nächsten Feldzug bereit lag; im Falle eines Mißerfolges dieser Besprechungen sei ihr Land verloren. Die Verbündeten müßten gleich zu iS) Nach der C. C. P. E., Januar 1712, S. 658 f. war in London eine Revolte gegen die Regierung ausgebrochen, die des Einverständnisses mit dem Präten­denten beschuldigt wurde. Zahlreiche Flugschriften für und gegen Marlborough erschienen um diese Zeit in England und Holland. 19) Über die Angebote, die Prinz Eugen den Generalstaaten im Januar 1712 machte, um sie zur Fortsetzung des Krieges zu bewegen: Arneth, S. 195 f. Ein längerer Bericht darüber findet sich in der C. C. P. E., März 1712, S. 158 f. 20) Uber die Streitigkeiten im englischen Parlament, vor allem den Wider­stand der Whigs gegen einen voreiligen Friedensschluß: C. C. P. E., Februar 1712, S. 120—132. 21) Über den Aufenthalt des Prinzen Eugen in London: Arneth, Band 2, S. 120—132. Nach der C. C. P. E. kam es bei seiner Ankunft in London zu feindlichen Demonstrationen. April 1712, S. 262 f. und 274.

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