Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)
SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714
Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden 61 vermehren. Die Regelung der Frage des Unterhaltes der Truppen, die die Neutralität des Reiches im nordischen Krieg sichern sollten “), hatte die Seemächte zufrieden gestellt; dieser Erfolg war zum großen Teil Sinzen- dorf zu verdanken. Am 18. September schrieb Hortiz aus dem Haag, er habe seit dem 2. keine Nachricht mehr von Barcelona erhalten; auch die Meldungen, die er auf dem Wege über Frankreich erhielt, waren bedeutungslos. Viel geredet wurde von neuen Bemühungen der Franzosen, um Frieden zu schließen 12). Vielleicht hatte Gallas schon nach Barcelona gemeldet, daß auch England den Frieden wünschte; Hortiz hatte schon nach Frankfurt an Sinzendorf geschrieben, er möge sich für den Fall von Verhandlungen bereit halten. Die Streitigkeiten zwischen dem Staatsrat und der Konferenz wurden täglich heftiger, zum großen Schaden Österreichs. Die Wahl Erzherzog Karls zum Kaiser wurde verzögert durch den schlechten Willen von Fürsten, die dem Hause Österreich zum größten Dank verpflichtet waren. Im Haag besaß der Erzherzog Karl eines der größten und schönsten Häuser, das aber nach dem Tode des portugiesischen Gesandten, der es bewohnt hatte, von Maurern und Zimmerleuten als Schuppen benutzt wurde und arg verfallen war. Deshalb sollten die holländischen Minister Anweisung bekommen, für dessen Erhaltung Sorge zu tragen. Am 24. Oktober beglückwünschte Hortiz Kurz zu seiner Ernennung zum Staatssekretär für Flandern. Am 12. war Erzherzog Karl zum Kaiser gewählt worden13). Schon vorher hatte er Barcelona verlassen14). Da behauptet wurde, er würde sich noch vor seiner Reise nach Wien in Frankfurt krönen lassen, hoffte Hortiz die Erlaubnis zu erhalten, ihm dort noch persönlich zu huldigen. Die Franzosen hatten mit ihren Friedensbemühungen in London gar keinen Erfolg, da ihre Absicht, unter den Verbündeten Uneinigkeit zu stiften, durchschaut wurde 15). Hortiz hielt es für unglaublich, daß diese die Gelegenheit nicht benützen würden, Frankreich so zu schwächen, daß es keine Gefahr mehr für den Frieden in Europa wäre. Wegen der vorgerückten Jahreszeit hatten die Truppen u) Einzelheiten über diese Armee und ihr vollständiges Versagen: C. C. P. E., Oktober 1711, S. 268—270. i2 *) Die Vertreter Ludwigs XIV. verhandelten um diese Zeit mit der Londoner Regierung wegen Kolonien. Legrelle, S. 600—605. i*) In der Nummer vom Dezember 1711, S. 398—400 erklärte die C. C. P. E. die Gründe für diese Wahl. 14) Arneth, S. 180 f. Nach der Abreise des Erzherzogs versuchte Starhemberg, sichere Stellungen in Katalonien zu gewinnen. C. C. P. E., September 1711, S. 165. 15) Über die Verhandlungen unter den Verbündeten im Oktober 1711: C. C. P. E., Dezember 1711, S. 418, 420. — Der Kaiser verwarf Vorbedingungen des Friedens, die am 8. Oktober in London festgelegt worden waren. C. C. P. E., Januar 1712, S. 49. Über die spanische Monarchie war nur erklärt, die Königin von England billige sämtliche Maßnahmen, die eine Vereinigung der Kronen von Frankreich und Spanien verhindern könnten. C. C. P. E., Dezember 1711 f.