Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden 41 Kellers einen Brief, den er von van den Bergh erhalten hatte. Dieser er­klärte, die armen niederländischen Provinzen würden so mißhandelt, als ob man sie für Erzherzog Karl und die Sicherheit der holländischen Republik ganz wertlos machen wolle. Cadogan brachte alle Regierungs­geschäfte in Unordnung durch sein leidenschaftliches Temperament und seine Habgier. Die Mitglieder des Staatsrates verbrachten ihre Zeit mit persönlichen Streitereien. Mitglieder des Genter Rates, die verantwort­lich gemacht wurden für den Überfall der Franzosen auf ihre Stadt, wurden von Marlborough und Cadogan beschützt, als ob sie ihre persön­lichen Freunde wären. Als der Staatsrat Mißbräuche in der Verwaltung abschaffen wollte, hatten die Anhänger Frankreichs ihre Standesprivi­legien als Vorwand benutzt, um Widerstand zu leisten. Gerne hätte van den Bergh Merode-Westerloo wiedergesehen, aber gerade als guter Freund riet er ihm, nicht nach Brüssel zurückzukehren, wo ein treuer Anhänger des Erzherzogs sich als überflüssig empfinden und nur Ärger erwarten dürfte. Im Hennegau hatten die Truppen der Verbündeten auf ihrem Durchmarsch wie Tataren und Kosaken gehaust. Von den Ereignissen vor der letzten Schlacht wollte van den Bergh nichts melden, da Merode-Westerloo sonst behaupten würde, es sei unmöglich, unter solchen Bedingungen länger Krieg zu führen. Hortiz warnte Kellers am 20. November noch einmal vor Intrigan­ten 32 33), die mit falschen Meldungen viel Unheil anrichten könnten. Vor vier Tagen war ein französischer Emissär auf der Reise vom Haag nach Versailles durch Brüssel gereist. Sicherlich müßte noch ein Feldzug unter­nommen werden. In einem Brief vom 7. Dezember meldete er, zahl­reiche französische Emissäre würden ständig zwischen Versailles und dem Haag hin- und herreisen. Nunmehr hoffte er, der Krieg würde noch im Laufe des Winters zu Ende gehen. Am 12. Dezember schrieb Hortiz an Kellers, Petkum, der Resident des Herzogs von Holstein-Gottorp in Holland, den die Franzosen schon vorher für Friedensverhandlungen verwendet hatten, sei nach dem Haag zurück­gekehrt 8S). Er hatte erklärt, Ludwig XIV. sei bereit, die Bedingungen der Verbündeten anzunehmen, doch stehe es nicht in seiner Macht, den Herzog von Anjou zu zwingen, Spanien zu verlassen. Hortiz sah in dieser Meldung einen Beweis für den schlechten Willen des Königs, der den Krieg mit allen Mitteln fortsetzen wollte. Auch die Engländer und Holländer hatten ihre Truppen um 24 000 Mann verstärkt; im Haag hatte Hortiz mehrmals den holländischen Ministern, dem englischen Gesandten 32) Zelosos im Text. 33) Petkum war schon vor 1707 Vertreter des Herzogs von Holstein-Gottorp im Haag. Braubach, 2. Band, S. 275 f., Legrelle S. 460. Über die weitern Ver­handlungen: Arneth, Band 2, S. 102 f., Baudrillart S.372 f. Petkum war im November 1709 von den Generalstaaten nach Versailles gesandt worden. C. C. P. E., Februar 1710, S. 128 f.

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