Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

42 Alphonse Sprunck und dem Prinzen Eugen geraten, mehr Truppen nach Spanien zu senden. Auf ihre Einwände über die zu hohen Kosten für ein solches Unternehmen hatte er jedesmal erwidert, nur auf diese Weise könne der Krieg beendet werden; die Einnahme von vier oder sechs Festungen, für die man viel Zeit benötigen würde, könnte Frankreich nicht zum Frieden zwingen. Er hoffte, die Holländer hätten seine Gründe verstanden, da sie schon so viele Enttäuschungen erlebt hatten, doch würden die Generäle, wie schon in vielen andern Fällen, versuchen, den Krieg zu verlängern. In Frankreich wurde die Anwerbung von Truppen durch die große Not begünstigt, da viele zu Soldaten wurden, um sich satt essen zu können. Viel Besitz der Krone war verkauft worden, sodaß die Monarchie über ge­nügend Gelder verfügte. Hortiz rechnete immer noch mit einem Ende des Krieges vor dem nächsten Feldzug. Unbegründet war die Hoffnung der Franzosen, die Könige von Dänemark, Preußen und die andern deut­schen Reichsfürsten, die Truppen in den katholischen Niederlanden unter­hielten, würden diese zurückziehen wegen des Krieges zwischen Schweden und Rußland; der Schwedenkönig War in schlechter Lage, vielleicht schon tot, wie versichert wurde34). Die Deputierten der Brabanter Stände waren noch nicht aus dem Haag zurückgekehrt; auf ihre Bitte, die Hortiz als verfrüht angesehen hatte, hatten sie eine abschlägige Antwort erhalten35 36). Die Rivalitäten unter den Mitgliedern des Staatsrates verschärften sich täglich, zum großen Schaden Österreichs. An Kellers und an die Vertreter der Generalstaaten sandte Merode- Westerloo am 13. Dezember von Steyn die Abschrift eines Briefes des bayrischen Gesandten in Paris, des Barons von Malknecht. Dieser Bericht war datiert vom 29. November und abgefangen worden; wahrscheinlich war der Adressat Gesandter in einer der nordischen Hauptstädte. Malknecht meldete, Max Emanuel sei mit dem freundlichen Empfang, den er in Versailles gefunden hatte, sehr zufrieden3B). Petkum war vor einigen Tagen dort angekommen, aber Malknecht rechnete wenig mit einem bal­digen Friedensschluß, da der bayrische Kurfürst fest auf seinen Forde­rungen beharrte. Von dem nordischen Krieg erwartete man in Paris günstige Folgen für Ludwig XIV. und Philipp von Anjou. Am 2. Januar 1710 bat Hortiz Kellers, ihm von Seiten des Erzherzogs Anweisungen zu verschaffen; von niemandem konnte er Hilfe erwarten, da 34) Die Schlacht bei Pultava fand statt am 8. Juli 1709. 35) Nach einem Bericht der C. C. P. E. vom Februar 1710, S. 132 wollten die Generalstaaten Brabant als Pfand behalten für die Gelder, die sie Öster­reich vorgestreckt hatten. 36) Max Emanuel, der sich mit General Villars überworfen hatte, hatte lange auf die Erlaubnis von Ludwig XIV. gewartet, um nach Versailles kommen zu dürfen. Saint-Simon, Band 3, S. 310 f.

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