Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

ZAUNER, Alois: Die Pfarrarchive Oberösterreichs

Rezensionen 481 rationalistische Züge seiner Politik. K. entspricht mit diesem seinen Metternichbild noch durchaus den alten Auffassungen. Der Krieg von 1809 ist nach K. nicht nur für die Laufbahn Metternichs wichtig sondern auch für dessen politisches Denken. Richtig bemerkt der Verf., daß 1809 trotz der propagandistischen, publizistischen Begleit­erscheinungen der Krieg für Österreich restaurative Ziele verfolgte, vor allem im Hinblick auf Deutschland, und keine liberalen. Hingegen werden die politischen Begleiterscheinungen der Niederlage eher oberflächlich behandelt. Nach dem Amtsantritt in Wien wird die Politik Metternichs für die Zeit bis 1812 unter den Aspekten der allgemeinen europäischen Entwick­lung dargestellt. Der deutschen Politik widmet K. wenig Raum, wohl auch deshalb, weil sie damals eine sekundäre Rolle spielte. Erst nach Napoleons Niederlage in Rußland tritt auch für Österreich wieder die deutsche Frage mehr in den Vordergrund. Nachdem die Napo­leon schonenden Vermittlungsversuche scheiterten, gewann das Verhältnis zu Preußen, zu Hardenberg und Stein auch für Metternich größere Bedeu­tung. Auch der Rheinbund und überhaupt das „dritte Deutschland“ bilden eine der Voraussetzungen von Metternichs deutscher Planung wie die preußischen Ausdehnungsbestrebungen und die österreichischen Ansprüche als Erben der alten Kaiser. Bestimmend blieb jedoch eine rationale Linie. Dies zeigte sich schon im Kriegseintritt von 1813, der viel unpathetischer vor sich ging als 1809. Widerspruchsvoll ist die weitere deutsche Politik des Staatskanzlers in­folge der Einbeziehung der europäischen Mächte. Aus Sorge vor der russi­schen Hegemonie sucht Metternich in der deutschen Frage bei Frank­reich (Talleyrand) und auch bei England Unterstützung. Sein eigentliches Ziel ist ein unabhängiges Mitteleuropa unter Österreichs Führung. Die Aufgabe der alten Reichsgrenzen durch Nachgeben gegenüber Gebietsan­sprüchen außerdeutscher Mächte bedrückt die Wiener Politik zunächst kaum. Vorherrschend ist die Angst vor dem Zarenreich. Aus einem Kampf Metternichs gegen Napoleon wird jetzt ab 1814 die Auseinandersetzung mit dem Zaren. Wie weit sich dies für die deutsche Politik auswirken sollte, wird Gegenstand eines zweiten Bandes von K. sein, der hoffentlich nicht mehr allzulange auf sich warten läßt. Es ist schwierig, vor dem Er­scheinen des abschließenden Teiles der ganzen Arbeit gerecht zu werden, zumal der zweite Band wegen der Politik im deutschen Bund der wich­tigere zu werden verspricht. Da die Publikation des zweiten Bandes jedoch auf sich warten läßt, mögen vorläufig diese Hinweise auf den ersten genügen, bis eine abschließende Stellungnahme möglich ist. Rudolf Neck (Wien) Letterio Briguglio, Correnti politiche nel Veneto dopo Villafranca. (Poli­tica e Storia, raccolta di Studi e Testi a cura di Gabriele De Rosa, 12.) Edizioni di Storia e Letteratura, Roma 1965. 341 S. Diese gründliche und ansprechende Untersuchung über die politischen Strömungen in Venetien während der letzten Jahre der österreichischen Mitteilungen, Band 21 31

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