Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

ZAUNER, Alois: Die Pfarrarchive Oberösterreichs

482 Literaturberichte Herrschaft basiert quellenmäßig, wie der Verf. in der Einleitung mitteilt, auf dem im Museo Civico zu Padua verwahrten „archivio Cavaletto.“ Die umfangreiche Korrespondenz des Hauptes der venezianischen Emigration, Alberto Cavaletto, ist vom Verf. dieser Studie in erster Linie herangezo­gen worden. L. Briguglio geht es in dieser ideengeschichtlichen Unter­suchung primär nicht um den österreichisch-italienischen Gegensatz, die­ser ist natürlich auch hier latent spürbar, sondern um die Analyse der innenpolitischen Struktur der venezianischen Emigration und der mit ihr in Verbindung stehenden Kreise. Nach Villafranca, wo Napoleon III. von seinem vor Beginn des Feldzuges von 1859 lauthals verkündeten Pro­gramm „Italien frei bis zur Adria“ zur bitteren Enttäuschung der Italiener abgerückt war, emigrierte die politisch engagierte Schicht des veneziani­schen Volkes in das sich bildende Königreich Italien. Die Emigranten beein­flußten von dort aus durch ihre Kontakte mit der Heimat die politische Ausrichtung der im Lande verbliebenen politisch engagierten Bevölke­rungskreise. Die Befreiung Venetiens von der österreichischen Herrschaft und die Vereinigung mit Italien waren für diese Kreise kein Fernziel, strittig war im Grunde nur die Frage der anzuwendenden Methoden, um den Zeitpunkt der Befreiung herbeizuführen. Daher bildet in dieser Studie über die politischen Strömungen im Venezianischen der Gegensatz zu Österreich nicht die Hauptantithese, diese Gegnerschaft war sozusagen a priori gegeben und Voraussetzung der politischen Strömungen, das eigent­liche Gegensatzpaar sind hier die in der italienischen Innenpolitik jener Jahre sich manifestierenden Richtungskämpfe zwischen Liberalen und Konservativen, Demokraten und Monarchisten, Mazzinianern und Gefolgs­leuten der Regierung, mit einem Wort und auf einen Nenner gebracht, die Spannung zwischen Radikalen und Gemäßigten. Der Hauptflügel der vene­zianischen Emigration gehörte der gemäßigten Richtung an; sie verstand es immer wieder, der von Mazzini und der Aktionspartei geförderten Radikalisierung den Wind aus den Segeln zu nehmen. Sie malte nicht ohne einen gewissen Erfolg der verängstigten und um ihre Vorrechte besorgten Bourgeoisie das Schreckgespenst der Revolution und des Umsturzes an die Wand. Der von den Radikalen offen propagierte Antiklerikalismus wurde von der großen Masse der streng katholischen Bevölkerung abge­lehnt. Daher blieb auch jeder Versuch einer von der Aktionspartei aus­gehenden Aufwiegelung der Bevölkerung bereits in seinen Anfängen stecken. Das eklatanteste Beispiel dafür ist der Aufstandsversuch vom Herbst 1864, der im Friaul gestartet worden war und infolge der Inter­esselosigkeit und der Indifferenz der Bevölkerung nach seinem ersten Aufflackern erlosch; die Aufrufe an die Bevölkerung hatten kein Echo gefunden. Die Tatsache, daß dieser Insurrektionsversuch von der Aktions­partei und den Mazzinianern ausging, hatte ihn in den Augen der Bevöl­kerung und der politisch aktiven Kreise diskreditiert; er löste allerdings eine heftige interne Krise innerhalb der venezianischen Emigration aus, die sich aber auch weiterhin in der überwiegenden Mehrzahl für den „patriotismo moderato“ aussprach, d. h. Ort und Zeit einer Aktion zur Befreiung Venetiens sollte die Regierung des Königreichs Italien bestim­men können.

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