Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

ZAUNER, Alois: Die Pfarrarchive Oberösterreichs

478 Literaturberichte gemeine Situation erklärt die hysterische Reaktion der Regierung und des Kaisers, vor allem als im Sommer 1794 die Schwierigkeiten auch in der Außenpolitik in der militärischen Lage gegenüber dem revolutionären Frankreich ihren Höhepunkt fanden. Auf Grund der erhaltenen Aktenbestände untersucht W. den Umfang der Verschwörung, die Ausmaße der Verhaftungswellen, den Gang der Voruntersuchung und schließlich den Prozeßverlauf selbst. Auch die Be­ziehungen zur ungarischen Bewegung werden berücksichtigt. Die Durch­führung des Verfahrens selbst bedeutete für Österreich einen entscheiden­den Schritt zum Polizeistaat. Doch hebt W. dabei auch hervor, daß Franz II. auf Grund von Gutachten verschiedener Ratgeber bemüht war, gewisse Formen des Rechtsstaates zu wahren. Dies hinderte nicht, daß schließlich die Urteile ziemlich hart ausfielen. Zum Schluß zieht der Verf. noch einen weiten historischen Bogen bis in die Zeit des österreichischen Vormärz. Trotz der allgemeinen negativen Entwicklung und dem Ende des Jakobinismus in Österreich stellt er immer wieder, vor allem in der Bürokratie und Verwaltungspraxis, Tendenzen zu einer rechtsstaatlichen Ordnung fest. Im Anhang werden Quellentexte ediert, über das Verhör von Hebenstreit und der Vortrag Martinis zur Wahrung der rechtlichen Formen des Ver­fahrens. Ein Quellen- und Literaturverzeichnis sowie ein Personen-, Sach- und ein Ortsregister sind vorhanden. W. hat die archivalischen Quellen in einem bisher für das Thema nicht gekannten Umfang herangezogen, vor allem die Bestände des Kabinetts­archivs im Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv. Darüber hinaus besaß er auch den Mut zur sozialgeschichtlichen Fragestellung, was bisher in Öster­reich wenige vor ihm versuchten. So trägt die Arbeit streckenweise pio­nierhaften Charakter und neigt zu strittigen Formulierungen und Irrtü- mern. Insbesondere die Nomenklatur des „vierten Standes“ ist im vor­liegenden Werk einigermaßen zweifelhaft, weil sie schon mit der Termi­nologie der Klassengesellschaft für eine Zeit arbeitet, in der Österreich die industrielle Revolution noch bevorstand. Der Rez. kann seine Bedenken nicht verbergen gegen soziologische Kategorien in den letzten zwei Jahr­zehnten des 18. Jahrhunderts, die selbst für den Vormärz noch in Zweifel gezogen werden können. Hier haben sicher die britischen Verhältnisse auf die Behandlung des österreichischen Themas abgefärbt. Doch ist dies letzten Endes eine Frage der wissenschaftlichen Termi­nologie, die substantiell an den Ergebnissen der Studie nichts ändern kann, sofern man sich der prinzipiellen Schwierigkeit bewußt ist. Rudolf Neck (Wien) Manfred Botzenhart, Metternichs Pariser Botschafterzeit. (Neue Münster- sche Beiträge zur Geschichtsforschung 10.) Verlag Aschendorff, Münster 1966. X,312 S. Enno E. K r a e h e, Metternichs German Policy. Vol. 1: The Contest with Napoleon, 1799—1804. Princeton University Press, Princeton (New Jersey) 1963. XI, 351 S.

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