Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

ZAUNER, Alois: Die Pfarrarchive Oberösterreichs

Rezensionen 479 Die neue Etappe der Metternich-Forschung, die sich schon vor Jahren feststellen ließ (vergl. diese Zeitschrift 16. Bd., 1963, S. 508 ff.) hält an. Die Auseinandersetzung mit dem monumentalen Werk Srbiks, aber auch mit den Schriften seiner Gegner und Schüler bildet dabei den Ausgangspunkt wissenschaftlicher Fragestellungen. Weiterführende Ergebnisse lassen sich dabei in der Regel nur nach intensiven Quellenforschungen erzielen. Hiefür ist ein erfreuliches Beispiel die preisgekrönte Dissertation von B. aus der renommierten Schule Kurt v. Räumers. Sie stellt, wenn man von den biographischen Beziehungen zu Metternich absieht, in vieler Hinsicht eine Fortsetzung der Arbeit der Freiin v. Oer dar (vergl. dazu diese Zeitschrift 19. Bd., 1966, S. 551 ff.). Die vorbereitenden und bildsamen Jahre für Metternich in seiner Mission als Botschafter in Paris wurden bisher von der Forschung ver­nachlässigt. B. kann daher auf mannigfache Irrtümer in der bisherigen Literatur hinweisen, vor allem auch bei Srbik selbst und in den Stadion- Werken von H. Rößler. Die völlige Unzuverlässigkeit der „Nachgelassenen Papiere“ Metternichs hat sich durch diese Arbeit einmal mehr erwiesen. Metternich mußte 1806 seinen Posten unter denkbar ungünstigen Be­dingungen antreten. Die Lage Österreichs nach dem Preßburger Frieden war mehr als trist und die persönlichen Umstände des jungen Diplomaten waren ebenfalls nicht von der Art, seine Stimmung zu heben. Wie viele andere kleine Reichstände stand auch sein Geschlecht infolge der Mediati­sierung am Rande des Ruins. Auch die sonstigen Umstände seines Amts­antritts in Paris, der deprimierende Zwangsaufenthalt in Straßburg lie­ßen ihn nichts Gutes erwarten. In Paris wirkte Metternich sofort im Sinne eines österreichisch-franzö­sischen Ausgleichs und riet Stadion und dem Kaiser zum Entgegenkommen. Wohl erwartete er in ferner Zukunft einen Zusammenbruch des imperia­listischen Gebäudes Napoleons, bis dahin müsse aber Österreich durch weitgehende Nachgiebigkeit nur für das Überleben sorgen. Bestimmend wurde für die weitere Zeit sein gutes Verhältnis zu Talleyrand, das von beiden Seiten keineswegs durch Aufrichtigkeit gekennzeichnet war, aber doch auf einer gemeinsamen Interessenbasis beruhte. Zunächst war hier der Franzose noch der Meister an Verschlagenheit. Sein gesellschaftliches und persönliches Leben in Paris, ja selbst seine Affären mit den Damen des Empire, verstand Metternich gut in Einklang mit seinen politischen Aufgaben zu bringen. Er erweist sich auch als scharfer Kritiker Napoleons, besonders in dessen Innenpolitik. Sein Ver­hältnis zu den Dalbergs war durch seine familiäre Situation mitbestimmt. Über die preußische Niederlage von Jena und Auerstedt zeigte sich Metter­nich nicht überrascht aber erschüttert. B. weist nach, daß bereits für die Zeit nach dem Frieden von Tilsit die Grundlagen für Metternichs „Metapolitik“ und damit für sein späteres sogenanntes System vorhanden sind. Die Konvention von Fontainebleau ist in erster Linie sein Werk; sie bringt Österreich bedeutende Verluste aber führt endlich zur Effektuierung des Preßburger Friedens und zur Normali­sierung.

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