Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

ZAUNER, Alois: Die Pfarrarchive Oberösterreichs

Rezensionen 477 Ernst Wangermann, Von Josef II. zu den Jakobinerprozessen. (Geist und Gesellschaft. Texte zum Studium der sozialen Entwicklung.) Ins Deutsche übertragen von Stephan Kiss. Europaverlag, Wien—Frankfurt—Zürich 1966. 250 S. Die Studie erschien ursprünglich 1959 in englischer Sprache in Oxford, wo der Verf., ein gebürtiger Österreicher, an der Universität lehrt. Die deutsche Ausgabe hat die inzwischen erschienene Literatur genannt, näher auseinandergesetzt hat sich W. darin nur mit den 1961 und 1962 veröffent­lichten Werken von D. Silagi über den geheimen Mitarbeiterkreis Leo­polds II. bezw. über die Jakobiner in der Habsburgermonarchie. Im übrigen beschäftigt sich das Werk nur zu einem geringen Teil mit der Verschwörung und dem Prozeß der österreichischen Jakobiner selbst. Den größten Teil der Arbeit beansprucht die Vorgeschichte, wo sich der Verf. eingehend über das Wesen des aufgeklärten Absolutismus ausläßt. Er hebt hervor, daß die Reformen in dieser Zeit keineswegs in der humanistischen Haltung der Fürsten ihre vornehmste Ursache hatten, son­dern in deren wohlverstandenem Egoismus. Sie ließen sich in erster Linie von rein praktischen Erwägungen leiten. So auch, laut W., Josef II. Seine negative Beurteilung ergibt sich aus der Gewichtsverlagerung auf die Politik seiner letzten Lebensjahre, als er sich vom aufgeklärten Absolutismus abgewendet hatte. Ausschlag­gebend für den Verf. ist die Lage und die Haltung des vierten Standes, dessen öffentlicher Meinung die Quellenforschungen in erster Linie galten. Eingehend werden die wirtschaftlichen Ursachen der Unzufriedenheit der Bauern und der unteren Schichten der Stadtbevölkerung in den letzten Jahren Josefs untersucht. Schon damals zeichnete sich ein Sieg der alten privilegierten Stände ab. Viel freundlicher steht W. Leopold II. gegenüber. Zwar mußte dieser Fürst der ständischen feudalen Opposition Zugeständnisse machen. Na­mentlich blieben auch die Rückwirkungen der radikalen Vorgänge in Frankreich nicht aus, vor allem im Bezug auf die Außenpolitik der Monarchie. Für Leopold bleibt jedoch ein ausgesprochen humaner Zug charakteristisch, der sich etwa in den Polizeiangelegenheiten sehr wohl­tuend bemerkbar machte. Damals begann ein stärkerer Widerstand gegen die feudale Reaktion und es entstand z. B. die bekannte Denkschrift des Martinovics, die W. das politische Programm des vierten Standes nennt. Erst mit Franz II. war das Ende des aufgeklärten Absolutismus in Österreich besiegelt. Mit ihm setzt ein neuer Kurs ein, der freilich vielfach an negative Züge in der Politik Josefs II. anknüpfen konnte. Alle Reform­projekte hingegen wurden eingestellt. Es kam zur völligen Versöhnung des Monarchen mit den privilegierten Ständen. Der Krieg gegen Frank­reich wurde energisch aufgenommen und strenge Zensur- und Polizeimaß­nahmen sollten jegliche freiheitliche Bewegung im Inneren unterdrücken. Die Überwachung der Untertanen nahm immer strengere Formen an und erweckte desto mehr die Opposition des vierten Standes. Dies ist der Boden für die sogenannte Jakobinerverschwörung. W. weist sehr schlüssig den harmlosen Charakter dieser Bewegung nach, die niemals die Monarchie hätte ernstlich gefährden können. Aber die all­

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