Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)
SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714
40 Alphonse Sprunck setzen wolle. Nach dem Falle von Mons wäre es nicht mehr fähig, seine ganze Grenze zu decken. Gerade als Hortiz diesen Brief versiegeln wollte, erhielt er die Nachricht, die Verbündeten hätten schon die Stellungen bei Mons eingenommen. Am 10. September schrieb Merode-Westerloo an Kellers, er habe wohl nicht nötig, von den Intrigen Philipps von Anjou zu reden, dessen Vermittler Bergeyck war, da Erzherzog Karl sicher durch Sinzendorf und Bruay darüber unterrichtet sei. Da Bruay lebensgefährlich erkrankt war, schrieb Hortiz am 11. Oktober von Brüssel aus an Kellers, Graf d’Ursel sei wohl am besten geeignet, ihn bei den Verhandlungen zu ersetzen. Aus zuverlässiger Quelle hatte er erfahren, die Franzosen würden Spanien räumen. Bruay starb am 17. Oktober. Auch Merode-Westerloo erklärte Kellers am 23., kein Adeliger aus den niederländischen Provinzen, selbst wenn er Vasall des Kaisers sei, würde einem Fremden als Vertrauensmann des Erzherzogs Karl bei Friedensverhandlungen dienen wollen. Für eine solche Weigerung hatten diese auch andere Gründe als ihre persönliche Eitelkeit, da die Interessen der österreichischen Monarchie und die Beziehungen ihrer niederländischen Provinzen zu den Nachbarstaaten viel zu wichtig waren. In einem Brief vom 14. November ärgerte sich Hortiz, daß Erzherzog Karl über die Lage in den niederländischen Provinzen nur parteiische Nachrichten erhielt, von Leuten, die auch nach dem Krieg ihre vorteilhaften Stellungen behalten wollten. Mit Zinzerling hatte er mehrere Unterredungen über diese Zustände. Besonders hatte er ihm empfohlen, dafür zu sorgen, daß Philipp von Anjou bei der Räumung von Madrid alle Kostbarkeiten und Kunstwerke im königlichen Palast belassen müsse; auch die ganze spanische Flotte müsse im Besitz des Erzherzogs verbleiben. Die Truppen der Verbündeten hatten ihre Winterquartiere bezogen. Graf d’Ursel31) war mit einigen anderen Vertretern der Brabanter Stände nach dem Haag gereist, um den Generalstaaten zu erklären, diese würden keine Steuern mehr bewilligen, wenn Erzherzog Karl nicht zu ihrem Herrscher ausgerufen würde. Hortiz fand diese Tat zwar lobenswert, aber verfrüht, da die Holländer glauben würden, die Stände hätten diesen Schritt mit Zustimmung oder auf Befehl Erzherzog Karls unternommen. Am liebsten hätte er gehabt, wenn dieser selbst seine Meinung geäußert hätte. Vorher hätte Hortiz die Einschränkung der Rechte des Staatsrates ganz gerecht empfunden, da dessen Mitglieder nur auf ihre Vorteile bedacht waren; häufig wiederholte er in seinen Briefen, alle Mißstände in der Regierung und Verwaltung der katholischen Niederlande könnten nur durch die Herstellung der vollen Souveränität Erzherzog Karls beseitigt werden. Am selben 14. November sandte Merode-Westerloo von Steyn aus an si) Konrad Albert Karl, Herzog von Ursel, hatte 1686 unter dem Kommando des Prinzen Eugen in Ungarn gekämpft. Erst 1708 trat er mit Erlaubnis des Erzherzogs dem Staatsrate bei. Biographie Nationale Beige, Band 25. S. 924 f.