Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden 39 der Erzherzog beim Friedensschluß von Frankreich fordern und solche, die er ohne zu großen Nachteil den Generalstaaten einräumen könnte. Ludwig XIV. hatte den Verbündeten die Kapitulation der Zitadelle von Tournai angeboten, unter der Bedingung eines Waffenstillstands, der bis zum 5. September dauern sollte. Ihre Generäle hatten geantwortet, sie hätten keine Vollmachten hierzu. In einem Brief, den Merode-Wester- loo am 22. August an den Rheingrafen von Daun30) richtete, erklärte er, zwar halte er dieses Angebot für eine Kriegslist der Franzosen, aber es wäre doch besser gewesen, eine Zeit lang Truppen, Geld und Munition zu sparen und die Festung Tournai in unversehrtem Zustand zu erhalten, als nach dem Kriege genötigt zu sein, hohe Summen für ihren Wieder­aufbau auszugeben. Die ganze Angelegenheit sah er als geheimnisvoll an. Von einem weiteren Feldzug erwartete Merode-Westerloo im besten Falle mit der Erlaubnis von Marlborough die Einnahme der einen oder anderen Festung; vielleicht müßte nach diesem noch ein weiterer folgen. Am 23. August schrieb Hortiz, der zuerst mit einem kürzeren Aufent­halt im Haag gerechnet hatte, an Kellers, Bruay sei sehr ärgerlich, daß in den Vollmachten sein Name hinter dem des Grafen Gallas gestanden hatte; augenscheinlich sah er dies als eine Beleidigung für alle Vasallen des Kaisers in Flandern an. Sinzendorf hatte Bruay versprochen, diese Angelegenheit sowohl in Wien, als in Barcelona regeln zu lassen. Von einem Angriff der kaiserlichen Truppen auf die Bourgogne erhoffte Hortiz günstige Ergebnisse. Über die Verhandlungen im Haag sandte Bruay ge­naue Berichte an Kellers. Am 11. September, als die Franzosen bei Malplaquet eine schwere Niederlage erlitten, schrieb Hortiz diesem von Antwerpen aus, Sinzendorf sei geneigt, die Verhandlungen mit den Generalstaaten wegen der Barriereplätze aufzuschieben. Vielleicht konnte er seine Absicht durchsetzen, da die Holländer nicht mehr so sehr auf die Regelung dieser Frage drängten. Hortiz sah in Sinzendorf einen sehr tüchtigen Minister, der allen seinen Aufgaben wohl gewachsen wäre. Er selbst wollte nach Brüssel zurückkehren, wußte aber nicht, ob er dort länger verweilen könnte. Die Franzosen sandten immer noch Emissäre, um Frieden zu schließen auf Grundlage der Zugeständnisse, die sie zu­erst gemacht hatten. Da die Verbündeten jedoch weitere Ausgaben ge­macht und in den südlichen Niederlanden neue Erfolge errungen hatten, wünschten sie einen günstigeren Friedensvertrag; täglich gaben sie Be­weise ihrer unerschütterlichen Einigkeit. Sie planten wahrscheinlich, Mons zu belagern. Viele behaupteten, es sei unnötig, eine Festung anzugreifen, die die Gegner ohnedies abtreten müßten; andere hielten einen Angriff auf diese Stadt für sehr notwendig, für den Fall, daß Frankreich den Krieg noch im folgenden Jahre fort­30) Graf Wilrich Philipp Lorenz von Daun (Dhaun), Fürst von Tiano, der vorher in Ungarn und Italien gekämpft hatte, war seit 1708 Vizekönig von Neapel. Allgemeine Deutsche Biographie, Band 5., S. 115.

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