Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

38 Alphonse Sprunck führen. Sehr zufrieden war er, daß in Holland Rede ging, die General­staaten würden von Ludwig XIV. die Abtretung der Bourgogne ver­langen, falls die kaiserlichen Minister dieses Land forderten. In einem Brief an Kellers vom 1. August erklärte Merode-Westerloo, die neuen französischen Emissäre hätten einen Blankopaß für einen Minister angefordert, der nach dem Haag kommen sollte. Sinzendorf hatte ihm gemeldet, er wolle mit den Holländern wegen der Barrierefrage ver­handeln. Nach der Ansicht Merode-Westerloos war die Zeit dafür noch nicht gekommen, und erst nach dem Friedensschluß könne die Wiener Regierung für Erzherzog Karl und seine niederländischen Untertanen bessere Bedingungen durchsetzen. Trotzdem die bevollmächtigten Minister, vielleicht sogar die des Kaisers, anderer Meinung waren, wollte er seine Pflicht tun und den Erzherzog inständig bitten, sich den Fall gründlich zu überlegen. Er hatte erfahren, daß auch Marlborough für sofortige Ver­handlungen wegen der Barriereplätze eintrat; seine Gründe vermutete er, wagte aber nicht, sie offen zu melden. Am 30. Juli wurde Hortiz von Erzherzog Karl zum Sekretär für die Friedensverhandlungen ernannt. In seinem Dankschreiben an Kellers vom 1. August drückte Hortiz seine Überzeugung aus, daß Ludwig XIV. bald zum Frieden genötigt sein würde. Sinzendorf glaubte, die Anwesen­heit Hortiz’ im Haag sei vorläufig noch nicht notwendig. Graf Bruay hatte erklärt, er wolle an den Friedensverhandlungen nur als erster Bevoll­mächtigter teilnehmen, doch würde er sich auf die erste Anweisung von Sinzendorf nach dem Haag begeben. In einem andern chiffrierten Brief vom selben Datum schrieb Hortiz an Kellers, Sinzendorf habe mit den Holländern Verhandlungen wegen der Barriereplätze begonnen. Auch er war der Ansicht, vor Abschluß eines allgemeinen Friedensvertrages wären solche Besprechungen schwierig und müßten Österreich große Nach­teile verursachen. Niemand konnte wissen, welche feindlichen Festungen noch erobert würden, und die Vertreter Erzherzog Karls wären nicht in der Lage, gegenüber den Generalstaaten eine feste Haltung zu zeigen. Bei den Friedensverhandlungen könne die Wiener Regierung durch Be­stechung englischer und holländischer Minister allerlei Vorteile er­langen. Gerade die Holländer, die in günstiger Lage waren, wollten die schlechte Lage Österreichs zu ihrem Vorteil ausnutzen. Auch Quiros war immer dieser Ansicht gewesen. Hortiz bat Kellers, dem Kaiser diese Gründe mitzuteilen; er selbst hatte Zinzerling diese Erwägungen schon vor vier Tagen mitgeteilt, nachdem Sinzendorf ihn um ein Memoran­dum über die Barrierefrage gebeten hatte. Hortiz kam am 13. August mit Bruay im Haag an. Auch Sinzendorf war der Ansicht, daß Quiros die gegenwärtigen Schwierigkeiten mit den Generalstaaten vorausgesehen hatte. Vom Haag aus schrieb Hortiz am 16. August an Kellers, er habe Sinzendorf enge Zusammenarbeit mit Bruay empfohlen. Dieser arbeitete Vorschläge über Festungen aus, die

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