Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden 37 aufbau seiner Länder verwerten, die er in großem Wirrwarr und Elend finden würde. Am 29. Juli teilte Merode-Westerloo Kellers mit, daß seit einiger Zeit französische Emissäre im Haag weilten, um die Verhandlungen wieder aufzunehmen 28). Die Holländer waren sehr ärgerlich, daß die kaiserliche Armee am Rhein untätig blieb, während Frankreich in den südlichen Niederlanden und in der Dauphiné nicht über 15 000 Mann verfügte. Sicherlich müßte Ludwig XIV. den Frieden erkaufen für härtere Bedin­gungen, als die, die er abgewiesen hatte; Merode-Westerloo hatte an Sinzendorf und zehn oder zwölf seiner intimsten Freunde aus den Gene­ralstaaten Briefe in diesem Sinne geschrieben, von denen er eine Ab­schrift beilegte. Durch die Präliminarien sollte die Provinz Geldern an Holland kommen. Merode-Westerloo hatte Sinzendorf ganz dringend ge­raten, die Rechte der katholischen Bevölkerung zu wahren und vor allem dem Erzherzog die Ernennung ihres Bischofs zu sichern; eine Ver­nachlässigung dieser Angelegenheiten würde in den katholischen Nieder­landen einen schlechten Eindruck machen. Der Verzicht auf dieses Land war den Interessen Österreichs sehr schädlich, da die südlichen Nieder­lande nur mehr über eine wenig ausgedehnte Grenze mit dem Reich ver­fügen würden, auf dessen Schutz sie ständig angewiesen waren; wenn die Generalstaaten sich mit Frankreich verständigten, könnten sie ganz über diese Provinzen verfügen. Nach der Einnahme von Tournai hatten sie gleich d’Albemarle, den Kommandanten ihrer Kavallerie, zum Gou­verneur dieser Stadt ernannt. Im allgemeinen nahm Merode-Westerloo an, daß weder die Engländer, noch der Kaiser selbst die besondern Interessen der katholischen Nieder­lande genügend verstanden; der Erzherzog bedurfte ganz dringend eines Vertrauensmannes, der sie darüber aufklären müßte. Im Memorandum an Sinzendorf und seine Freunde aus den Generalstaaten wiederholte er, daß diese die früheren Grenzen der südlichen Niederlande nicht genügend geschützt hatten29). Im Brief für Sinzendorf erklärte er, gerade die Zugeständnisse, die die Verbündeten Portugal und Savoyen gemacht hätten, müßten sie bestimmen, den katholischen Niederlanden eine bessere Grenze zu geben. Die Bewohner unterschieden sich von den Holländern nur durch die Religion, aber sie hätten die Herrschaft der Generalstaaten gehaßt. Vorläufig konnte von solchen Gegensätzen keine Rede sein. Er bedauerte, daß Erzherzog Karl nur über Truppen verfügte, während ihm sonst alles Nötige mangelte; wie dieser, mußte er selbst sich allerlei De­mütigungen gefallen lassen. Er erwartete, die Engländer würden ihren Plan, Frankreich zur See anzugreifen, wegen der hohen Kosten nicht aus­28) Legrelle, S. 499 f. 2«) Anfang Februar 1701 waren die Truppen Ludwigs XIV. ohne Wider­stand in sämtliche von den Holländern besetzten Festungen in den südlichen Niederlanden eingedrungen.

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