Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)
SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714
36 Alphonse Sprunck Am 11. Juli schrieb er in einem teilweise chiffrierten Brief an Kellers, da der Krieg nunmehr zu Ende gehe, sei es nötig, eine Summe von etwa 120 000 Dublonen in barem Gelde zur Hand zu haben, die die kaiserlichen Minister nach ihrem Ermessen verteilen sollten unter Männern, die bei der Festsetzung der Grenzen der südlichen Niederlande, der Regelung ihrer wirtschaftlichen und religiösen Fragen Einfluß ausüben könnten. Vor allem müsse man Vertreter der Generalstaaten auf diese Weise zu gewinnen suchen, da gerade diese Ansprüche auf Landgewinn und Garnisonen erhoben. Die Erfahrung hatte gelehrt, daß ihre Mitglieder käuflich waren und auch gewohnt, mehr für ihre eigenen Interessen, als die der Republik zu sorgen. Frankreich und alle Nationen, auch die spanische, solange sie eine gute Regierung hatte, hatten dieses Mittel mit gutem Erfolg angewandt. Hortiz war überzeugt, in den katholischen Niederlanden könne man sich dieses Geld durch eine Anleihe für einen mäßigen Zinsfuß verschaffen; Erzherzog Karl solle möglichst bald Anweisungen dazu geben, da weitere Friedensverhandlungen zu jeder Zeit beginnen könnten. Beständig ärgerte sich Hortiz über die Weigerung der Limburger Stände, den Erben Quiros’ eine Summe von 6 000 Gulden auszuzahlen, die sie diesem für seine Verwaltungstätigkeit schuldig waren. Die Erben selbst hätten das Geld nötig gehabt, um die Schulden Quiros zu bezahlen. In einem andern chiffrierten Brief vom 25. Juli wiederholte Hortiz seinen Rat, sofort Bestechungsgelder bereit zu halten. Da die Stände von Brabant guten Willen zeigten, riet er dem Erzherzog, diese um eine höhere Geldsumme zu bitten. Auch die von Flandern und Hennegau wären zu einer solchen Hilfeleistung bereit, da sie sich die nötigen Mittel leicht verschaffen könnten. Selbst die von Namur und Luxemburg, deren Länder noch vom Feinde besetzt waren, könne man um Unterstützung bitten, da sie sicher wüßten, daß sie durch den Friedensvertrag Untertanen Erzherzog Karls würden und deshalb ihm jetzt schon Beweise ihrer Anhänglichkeit geben wollten. Auch an die Limburger Stände könnte man diese Bitte richten; aus dieser Provinz war allerdings nicht viel zu holen, trotzdem sie am meisten Ursache zur Dankbarkeit gehabt hätte. An die Provinz Geldern war nicht zu denken, da sich bei den Vorverhandlungen gezeigt hatte, daß die Generalstaaten sie für sich beanspruchen würden. Für die Verhandlungen mit den Ständen der Provinzen war Graf d’Ursel am meisten geeignet, da er Stimmrecht in Brabant besaß, in den anderen Ländern sehr angesehen war und auch die für Verhandlungen nötigen Eigenschaften besaß. Gegen das Versprechen einer angemessenen Belohnung würde d’Ursel sich eifrig bemühen, diese Hilfsgelder zu erlangen. Sollte sich keine Gelegenheit bieten, diese vorteilhaft zu verwerten, könnte Erzherzog Karl sie nach dem Friedensschluß zum Wieder