Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden 31 schleifen zu lassen, so daß die Verhandlungen schon vorwärts gekommen waren. Am 21. Mai war ein Brief mit der eigenhändigen Unterschrift des Königs an Torcy, datiert vom 17. Mai, abgefangen worden, von dem Merode-Westerloo eine Abschrift beilegte. Darin war gemeldet, daß die Portugiesen in Spanien eine schwere Niederlage erlitten hatten; Lud­wig XIV. bestätigte auch Befehle, die er Torcy vorher gegeben hatte. Aus einem Brief an Bergeyck vom 18. Mai, der aus der Zitadelle von Antwerpen geschrieben war, ging mit Wahrscheinlichkeit hervor, daß die­ser dort Verräter unterhielt. Die Intrigen in Holland waren nunmehr auf­gedeckt. Der Pensionär Tergouw van der Dussen hatte lange mit den französischen Ministern Korrespondenz unterhalten und sie nach Holland gelockt. Wahrscheinlich hatte er ihnen und sie ihm viele Versprechen ge­macht. Der Wachsamkeit von Marlborough waren diese Ränke nicht ent­gangen. Als er sie dem Großpensionär und einigen Mitgliedern der Generalstaaten meldete, bekam van der Dussen davon Wind und ver­suchte, sich mit Heinsius und Marlborough zu verständigen, um dem Verderben zu entgehen. Mit großem Eifer empfahl er nun in den Sitzungen der Generalstaaten eine feste und energische Haltung gegen­über Frankreich, um jeden Verdacht zu vermeiden. Ludwig XIV. hatte auf diese Weise einen Anhänger in Holland ver­loren. Am meisten ärgerte sich van der Dussen über die Anerkennung des Sohnes des Herzogs von Anjou als Prinzen von Asturien durch Frank­reich, das als erstes Angebot den Verzicht auf Spanien ausgesprochen hatte 17). Durch die Intrigen in Holland hatte Ludwig XIV. vergebens versucht, die Verbündeten hinter das Licht zu führen; wenigstens der größte Teil davon war gescheitert. Auch der gute Bergeyck18) hatte den Franzosen Hoffnungen gemacht, die er nunmehr wahrscheinlich selbst als eitel ansah. Anfangs hatten die Vertreter der Seemächte Merode- Westerloo kein Vertrauen geschenkt, wenn er ihnen die schlimme Lage in Frankreich schilderte; seine Behauptungen wurden nunmehr täglich bestätigt und ermunterten die Holländer zum Widerstand. Am selben 23. Mai teilte Merode-Westerloo Erzherzog Karl die territorialen Zuge­ständnisse mit, die die Franzosen gemacht hatten; dazu kam noch die Anerkennung der protestantischen Thronfolge für England sowie die Aus­weisung des Prätendenten Jakob Stuart aus Frankreich. Er war sehr er­freut, dem Erzherzog solche günstige Nachrichten berichten zu können 19). Am 30. Mai schrieb er an Kellers, nach Gerüchten sei Torcy am Tage 17) Über die Geburt dieses Prinzen: Baudrillart, S. 282. 18) „Le bon homme Bergeyck.“ 19) ,Je me donne l’honneur d’en donner part á Vötre Majesté et en me mettant ä ses pieds, étre peut-étre le premier de ses sub jets qui a l’honneur de la félicitter de la voire monarcque absolu de toute la monarchie. C’est un Miracle dönt je beny le Seigneur de tout mon coeur, et j’ose asseurer Votre Majesté que peut-étre eile n’en ressentirat pas Elle mérne autant de joye que j’en ay.“

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