Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

32 Alphonse Sprunck zuvor nach Versailles zurückgekehrt, um die Friedenspräliminarien durch den König unterzeichnen zu lassen. Mit Sicherheit wußte er, daß die Lage für Österreich schlecht stand, ohne daß er über genaue Mitteilungen ver­fügte. Er bedauerte sehr, daß er keine Vollmachten hatte, um im Haag bessere Bedingungen für Erzherzog Karl durchzusetzen, wagte aber nicht, etwas für ihn zu tun. Die Vertreter des Kaisers hatten sich dort in eine üble Lage versetzt. Vielleicht wollten die Holländer alle in Frankreich eroberten Städte besetzen; ihre Kommandanten davon nannten sie schon Gouverneure. Natürlich wünschten Prinz Eugen und Marlborough diese Städte mit österreichischen und englischen Truppen zusammen mit holländischen zu besetzen; vielleicht waren wegen dieser Frage unter den Verbündeten schon Reibereien entstanden, von denen Merode-Wester- loo nichts Genaues wußte. Über Prinz Eugen hatte er erfahren, er habe den Haag plötzlich und heimlich verlassen und am 29. Mai in Antwerpen mit einem Manne gesprochen, der ein blaues Band trug 20). Da Merode- Westerloo schlimme Wirkungen voraussah, bat er um Anweisungen, wie er sich benehmen solle. Besonders beklagte er sich über die mangelhaf­ten Mitteilungen, über die er verfügte. Seinem Schreiben legte er ein selbstverfaßtes Memorandum bei21). Der zukünftige Bevollmächtigte des Erzherzogs sollte das Recht er­halten, mit der Königin von England und Marlborough zu verhandeln, um drei englische und drei schottische Bataillone in dessen Dienst zu nehmen und jedes Jahr Rekruten anzuwerben. Aus Rücksicht auf die Generalstaaten solle die zukünftige Brüsseler Regierung auch die Trup­pen anwerben, die diese nach dem Krieg entlassen würden. Mit solchen des Kaisers, der Reichsfürsten und aus dem Lande selbst könne man nach und nach eine brauchbare Armee in den katholischen Niederlanden auf­stellen. Merode-Westerloo hatte auch erfahren, daß Torcy am selben Morgen, als er auf seiner Rückkehr nach Versailles in Brüssel die Post wechselte, sehr zufrieden und munter aussah. Am selben 30. Mai schrieb er an Zinzerling, der gerade im Haag weilte, das Herzogtum Mailand müsse für Gebietsabtretungen an den Herzog von Savoyen durch französisches Gebiet entschädigt werden. Die Ver­bündeten müßten versuchen, diesen auch nach dem Kriege für ein stän­diges Bündnis gegen Frankreich zu gewinnen, doch müsse man ihn im Zaume halten, damit er nicht mit Hilfe Frankreichs Mailand beanspru­chen könne. Nur durch eine Vergrößerung dieses Herzogtums durch fran­zösisches Gebiet könne man den Herzog von Savoyen hindern, König der Lombardei zu werden. Merode-Westerloo nahm an, auch Sinzendorf habe diese Erwägungen schon gemacht. 20) Über die Haltung des Prinzen Eugen zum Abbruch der Friedensver­handlungen: Arneth, 3. Band, S. 67—69. Er kehrte noch vor dem 2. Juni nach Brüssel zurück. 21) Mémoire sur la paix (ABV, Reg. 104).

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