Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)
SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714
26 Alphonse Sprunck noch geheime Verhandlungen geführt, aber solche Forderungen Frankreichs konnten zu keinem Ziele führen12). Merode-Westerloo wußte nun sicher, daß die Vertreter der Generalstaaten von Ludwig XIV. Verzicht auf die gesamte spanische Monarchie gefordert hatten, dazu noch fast alle eroberten Festungen, sowie die Schleifung von Dünkirchen. Dem Kaiser sollte er das ganze Elsaß mit Straßburg zurückgeben. Nach den Meldungen, die er erhalten hatte, standen 180 Bataillone, 300 bis 310 Eskadrone und 40 Bataillone von Garnisonstruppen in den südlichen Niederlanden bereit; er rechnete schon mit ihrem Einzug in Paris. Am 2. Mai schrieb er an Kellers, er habe von van den Bergh, dem Sekretär des Staatsrates, der Österreich sehr ergeben war, erfahren, ein Brief von Rouillé an Ludwig XIV. sei vor einigen Tagen abgefangen worden. Darin war erklärt, der Mann, der seine Reise nach Holland bestimmt hätte, sei nicht in der Lage, sein Versprechen zu halten. Renswoude war das Geständnis entfallen, daß die Generalstaaten schon vor acht Monaten, also vor der Ankunft von Rouillé, in Korrespondenz mit Versailles gestanden hätten. Van den Bergh hatte auch erklärt, Cadogan hätte den Generalstaaten alle Festungen der südlichen Niederlande als Barriereplätze angeboten, das Doppelte von dem, was sie zuerst verlangt hatten. Unbedingt mußte ein geschickter und eifriger Vertrauensmann des Erzherzogs dem schlechten Willen von Cadogan entgegentreten. Vor vier oder fünf Tagen war noch ein Kurier von Rouillé über Brüssel nach Versailles gereist. Von einem weiteren Feldzug erwartete Merode-Westerloo einen gewaltigen Umschwung der ganzen Lage. Die Engländer traten für ein solches Unternehmen ein, da sie schon die Ausgaben gemacht hatten, aber viele Holländer fürchteten, eine zu große Schwächung Frankreichs würde England zum Nachteil ihres Landes zu stark machen. Die ganze politische Lage hing von einem Sieg der Verbündeten in den katholischen Niederlanden ab. Ein Holländer hatte versucht, Merode-Westerloo zu überzeugen, Philipp von Anjou würde Neapel erhalten; die niederländischen Provinzen sollten mit Ausschluß von Cambrai und Arras die Ausdehnung erhalten, die sie vor dem Pyrenäischen Frieden hatten. Einen Erwerb des Elsaß für den Kaiser und eine Erweiterung der niederländischen Provinzen sah Merode-Westerloo nicht als genügenden Ausgleich für die Abtrennung anderer Gebiete der spanischen Monarchie an. In der letzten Versammlung der Generalstaaten hatten die Vertreter der Stadt Leyden erklärt, Holland müsse bis zum letzten Blutstropfen und zum letzten Stüber kämpfen, um Erzherzog Karl die gesamte spanische Monarchie und dem Kaiser das Elsaß zu sichern. Van den Bergh, der aus dieser Stadt stammte, hatte den Bürgermeister zu dieser Erklä12) „Si eile (la France) continue á en agir de cette fa?on lä, et que l’on entre par conséquent une fois en Campagne, je crois que c’est une punition de Dieu qui luy at öté le don du Conseil apres luy avoir öté celuy des armes.“