Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden 27 rung bestimmt. Während Marlborough in Holland durch seine Begier­lichkeit und das anmaßende Auftreten seines Günstlings Cadogan viel von seinem Ansehen verloren hatte, war Prinz Eugen sehr zufrieden aus diesem Lande zurückgekehrt. Merode-Westerloo hatte erfahren, Frankreich habe in der dritten Kon­ferenz Ypern, Condé und Furnes als Umtausch für Lille angeboten. Am 30. April reiste der Vertreter des bayrischen Kurfürsten in Regensburg durch Brüssel, um sich nach Holland zu begeben. Marquis de Torcy sollte mit ausgedehnteren Vollmachten als Rouillé, vielleicht sogar mit abso­luten Vollmachten Ludwigs XIV., dorthin kommen. Jedenfalls hatte Frankreich keinen solchen Widerstand von Seiten der Generalstaaten er­wartet, da man in Versailles gehofft hatte, sie in derselben Weise behan­deln zu können, wie in Münster und in Aachen. Diese hatten auch Marl­borough gebeten, sich nach London zu begeben, um die genauen Absich­ten des Parlaments zu erfahren; vielleicht war der General ärgerlich über diese Forderung. Merode-Westerloo hatte immer noch kein Vertrauen zu ihm und befürchtete, Erzherzog Karl würde schließlich doch nicht die ge­samte spanische Monarchie erhalten. Holländer hatten Merode-Westerloo versichern wollen, die Vertreter Ludwigs XIV. verfügten über absolute Vollmachten ihres Königs, doch würden sie solche auch von ihren holländischen Partnern verlangen, um vollgültige Besprechungen beginnen zu können. Graf Sinzendorf und eventuell van der Gote als Vertreter des Kaisers wurden für die nächsten Tage in Brüssel erwartet. Merode-Westerloo war verdrießlich, daß er seit dem 2. März keine weiteren Anweisungen erhalten hatte; immerhin wollte er in Brüssel bleiben, um Kellers weitere Nachrichten übermitteln zu können. Am 6. Mai schrieb et ihm, die französischen Bevollmächtigten seien in zwei Postwagen in Brüssel durchgefahren, doch glaubte er nicht, Torcy13) sei mit ihnen gewesen, da die Franzosen nicht sozusagen mit dem Strick um den Hals um den Frieden bitten würden. Der Kurier, den er am 16. März nach Barcelona abgesandt hatte, war erst am 14. April in Mailand angekommen, da er unterwegs erkrankt war. Dort hatte er das Glück, einen Brief abzufangen, den der Versailler Hof an den Abbé de Pomponne, seinen Gesandten in Venedig, geschickt hatte. Dar­in standen wichtige Nachrichten über Friedensverhandlungen. Eine Ab­schrift davon war an Prinz Eugen gesandt worden; er selbst hätte auch gerne den Inhalt erfahren. Seinem Briefe legte er eine Flugschrift bei, die er gerade in Holland verbreiten ließ. Er rechnete damit, sie würde dem Erzherzog Dienste leisten in einer Zeit, da er in diesem Lande über keinen Vertrauensmann zur Wahrung seiner Interessen verfügte. Die Ver­ls) Torcy, der Außenminister Ludwigs XIV., kam am 6. Mai in Rotterdam an und begab sich gleich auf geheimem Wege zu Heinsius. Legrelle, S. 488, C. C. P. E., Juli 1709, S. 54.

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