Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)
SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714
20 Alphonse Sprunck Emissär von Bergeyck war vor einigen Tagen in Brüssel angekommen. Nach einer Meldung aus sicherer Quelle hatte Frankreich durch dessen Vermittlung Marlborough sechs Millionen Taler angeboten. Merode- Westerloo hatte auch erfahren, dieser habe die Friedensvorschläge Ludwigs XIV. nach London gebracht, um das Parlament und die Nation in diesem Sinne zu beeinflussen 4). Auch wurde erzählt, Verhandlungen für den Frieden würden in Brüssel oder Antwerpen stattfinden; von vielen wurde auch angenommen, während des neuen Feldzuges würden diese Besprechungen weiter dauern und keine wichtigen militärischen Operationen würden unternommen werden. Durch Gespräche und Korrespondenz mit holländischen Ministern hatte Merode-Westerloo erfahren, daß die Generalstaaten die Entfernung des Prätendenten Jakob Stuart aus Frankreich keineswegs wünschten und daß sie beinahe bereit waren, ihn zu unterstützen. Infolge des Eingreifens von Cadogan hatten die Offiziere der österreichischen Kavallerie bis dahin kein Geld für ihre Remonte erhalten. Merode-Westerloo wollte seinen ehrlichen Namen nicht zum Vorteil anderer Leute verlieren. Gemäß den Befehlen des Erzherzogs hatte Hortiz den Brabanter Ständen und dem Brüsseler Magistrat Dank abgestattet für die treue Haltung, die sie beim Überfall des bayrischen Kurfürsten auf Brüssel gezeigt hatten; auf sie konnte Österreich sich in Zukunft verlassen. Am 4. April meldete er Kellers, in Brüssel würde behauptet, Ludwig XIV. sei bereit, dem Erzherzog die ganze spanische Monarchie bis auf einige kleinere Gebietsabtretungen zu überlassen, doch würden die Verbündeten wahrscheinlich noch einen weiteren Feldzug unternehmen, da sie aus der bedrängten Lage Frankreichs Vorteil ziehen müßten. Auch Merode-Westerloo hatte am 2. April eine Besprechung mit dem Prinzen Eugen. Am folgenden Tage schrieb er an Kellers, daß nicht Rouillé, sondern Voisin sich über Brüssel nach Versailles begeben hatte. Dieser war am 30. März wiederum durch Brüssel nach Antwerpen gereist. Die Vertreter der Generalstaaten behaupteten, die Franzosen hätten günstigere Friedensbedingungen mitgebracht. Deshalb hatten sie Pässe erhalten, um sich nach Worden, einem kleinen Ort zwischen Leyden und Utrecht, zu begeben 5). Die Holländer versicherten Merode-Westerloo, ihre Regierung würde keinen Frieden schließen ohne die Wiederherstellung der gesamten spanischen Monarchie unter dem Zepter Erzherzog Karls, Gleich nach der Schlacht bei Bamillies hatten die Seemächte diesen Vertrag wieder für gültig erklärt. Huisman, S. 21, 23 und 45. 4) Die Zeitung C. C. P. E. veröffentlichte im Mai 1709, S. 332 einen Brief eines Engländers, der einem Freunde auf dem Festlande die Kriegsmüdigkeit seiner Landsleute ausdrückte. In der Adresse an die Königin forderte das Oberhaus von Ludwig XIV. die Anerkennung der protestantischen Thronfolge und die Schleifung der Festung Dünkirchen. Ibidem, S. 334 f. ®) Legrelle, S. 480 f. nennt diese Ortschaft Bodegrave. Braubach, 2. Band, S. 283—286.