Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden 21 die Errichtung einer Barriere mit französischen Festungen bis nach Cam- brai, die Schleifung von Dünkirchen, die Rückgabe von Straßburg und dem Elsaß an das Reich, die von Luxemburg und Diedenhofen an den Erzherzog. Es ging sogar Rede von der Abtretung der Bourgogne an den Herzog von Lothringen als Entschädigung für die lange Besetzung seines Landes durch die Franzosen. Mit solchen Bedingungen wäre Merode-Westerloo ganz zufrieden ge­wesen, aber er hätte doch lieber gesehen, wenn die Holländer gemäßigter gewesen wären, da er neue Ränke von Seiten des Versailler Hofes be­fürchtete. Die Holländer erwarteten Sinzendorf im Haag und schienen ihn lieber zu sehen als Wratislaw; jedenfalls war bei den Verhandlun­gen ein Vertreter des Erzherzogs nötig, der über die Lage in den katho­lischen Niederlanden genaue Auskunft geben konnte. Aus Holland hatte Merode-Westerloo einige Meldungen erhalten, die er aber nicht für zu­verlässig ansah. Als Grundlage seines Friedens mit dem Reich wollte Ludwig XIV. den Westfälischen Frieden Vorschlägen. Nach allen Meldun­gen von der Grenze sandte er 20 Bataillone und 20 Eskadrone nach Deutschland zur Armee des Herzogs von Bourgogne. Von Mons hatte Me­rode-Westerloo als sicher erfahren, daß Frankreich alles versuchte, um die Generalstaaten für einen Waffenstillstand zu gewinnen. Er hoffte aber, sie würden nicht auf eine solche plumpe List hereinfallen. Als Haupt­schuldigen an den Uneinigkeiten im Staatsrat sah er Gadogan an, der einen großen Einfluß auf Marlborough ausübte, trotzdem dieser immer große Zurückhaltung in den Angelegenheiten der katholischen Nieder­lande gezeigt hatte. Vorläufig leitete Cadogan alles in Brüssel. Der Erz­herzog dürfe die Hauptsache nicht aus dem Auge verlieren und sich um die Streitigkeiten betreffend die Reform des Staatsrates nicht kümmern, da es galt, die Gegensätze zwischen England und Holland nicht zu ver­schärfen, wenn er die gesamte spanische Monarchie erwerben und seinen niederländischen Provinzen bessere Grenzen gegen Frankreich sichern wolle. Auch galt es, zu vermeiden, daß von den Mitgliedern des hohen Adels dieser Provinzen die einen Vorteile bei den Generalstaaten, die an­dern bei England suchten. Merode-Westerloo hatte auch erfahren, daß in Worden über die Barriereplätze verhandelt wurde. Vor der Herstel­lung der vollen Souveränität des Erzherzogs in den katholischen Nieder­landen konnten solche Besprechungen seinen Interessen nur schädlich sein. Er befürchtete, die Generalstaaten könnten Frankreich Sizilien überlas­sen, um durch dieses Zugeständnis eine größere Zahl von Barrierefestun­gen, zum Schaden des Erzherzogs, zu erhalten. Seinem Brief legte er ein Schreiben bei, das er aus Versailles erhalten hatte 6). Hortiz meldete Kellers am 11. April, Prinz Eugen und Marlborough weilten im Haag, sodaß ein Sonderfriede Hollands mit Ludwig XIV. 6) Anon. Schreiben aus Versailles, 13. März 1709 (ABV, Reg. 104).

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