Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)
SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714
Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden 19 kleinen Gebietes an Frankreich unter Holland und England aufgeteilt werden. Andere Ansichten über eine Aufteilung der Monarchie Karls II. waren so extravagant und lächerlich, daß sie keine Erwähnung verdienten. Zweifellos würden der Kaiser und die Königin von England, die ebenfalls von diesen Verhandlungen unterrichtet war, niemals in eine Aufteilung der spanischen Monarchie einwilligen. Bei einem energischen Beharren auf diesem Standpunkt würden die Generalstaaten nicht wagen, auch günstige Vorschläge Ludwigs XIV. anzunehmen, da sie damit zu viel aufs Spiel setzen würden. Hortiz erwartete nicht, daß weitsichtige Politiker, die die Interessen ihres Landes richtig verstanden, die Gelegenheit verpassen würden, einen wahren und dauerhaften Frieden zu schließen. Jedenfalls müsse der Kaiser seinen Hofkanzler, den Grafen Philipp Ludwig Sinzendorf *) nach dem Haag senden, um dort über seine Interessen zu wachen. Sein dortiger Vertreter Heems zeigte viel Eifer und guten Willen, doch könne eine Persönlichkeit von höherem Range dort größeren Einfluß ausüben. Am selben 28. März schrieb Merode-Westerloo an Kellers, Besprechungen von holländischen und französischen Ministern hätten in Strinck Saes bei Moordyke stattgefunden* 2). Der Vertreter Ludwigs XIV. war auf seiner Rückfahrt nach Versailles durch Brüssel gereist, die Holländer waren nach dem Haag zurückgekehrt. Zwar hatte er nichts Genaues erfahren, doch glaubte er, man habe dort die französischen Friedensvorschläge nicht ganz vernünftig gefunden, sodaß mit einem weiteren Feldzug zu rechnen war. Wahrscheinlich versuchte der Versailler Hof mehr, den Holländern zu schmeicheln, als dem Kaiser seine andern Verbündeten abtrünnig zu machen; von den Generalstaaten wurde behauptet, sie würden auch diesen die Vorschläge der Franzosen mitteilen. Jedenfalls waren für den Erzherzog kleinere oder größere Abtrennungen von der spanischen Monarchie zu befürchten. Vor der Ankunft des Präsidenten Rouillé hatte der Intendant Berniére sie dem holländischen Intendanten Pesters mitgeteilt. Unter anderen Zugeständnissen hatte Frankreich den Generalstaaten auch die Wiedereinführung des Zolltarifs von 1664 angeboten3). Ein ') Philipp Ludwig Wenzel Sinzendorf war von 1699 bis 1701 außerordentlicher Gesandter des Kaisers in Paris. Wurzbach, Band 35, S. 20 f., Arneth, 1. Band, S. 343—346. Im Februar 1713 riet er dem Kaiser, auf die Krone von Spanien zu verzichten. Redlich, S. 142. 2) Die Verhandlungen von Strinck Saes (Streydensas, Strijdensas) sind in Einzelheiten behandelt in den Werken von Braubach, 2. Band, S. 283—286, und Legrelle, 4. Band, S. 470—490. In der Zeitung C. C. P. E. finden sich für diese Zeit zahlreiche Berichte über die Kriegsmüdigkeit in Holland. 3) Die Zolltarife, die Colbert 1664 und 1670 für den Handel mit den spanischen Niederlanden festgesetzt hatte, waren für diese Provinzen wenig günstig; 1680 hatten die Regierungen Englands und Hollands der Brüsseler Regierung einen anderen aufgedrängt, der ausschließlich ihre Interessen berücksichtigte. 2*