Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)
SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714
Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden 101 Von besonderem Interesse sind die Berichte über die Friedensverhandlungen von 1709 und 1710, bei denen sich deutlich zeigte, daß die Seemächte sich mit einem Teilerfolg im Kampfe gegen Frankreich begnügt hätten, unter der Bedingung, daß es gehindert würde, seine Grenzen nach Norden hin auszudehnen4). Im Jahre 1677 hatte ein kaiserlicher Diplomat, der Freiherr Franz Paul von Lisola, in einem besondern Werk nachgewiesen, daß die spanischen Niederlande einen Schild Westeuropas zur Abwehr der Übermacht Ludwigs XIV. darstellten 1 2). Genau wie Quiros glaubten auch Merode-Westerloo und Hortiz, nur der Besitz der gesamten spanischen Monarchie durch die Wiener Habsburger könne Europa vor der Ausdehnungspolitik Frankreichs sichern. Als Offizial der flandrischen Regierungskanzlei in Madrid kannte Hortiz die Interessen der katholischen Niederlande und ihre Bedeutung für die gesamte spanische Monarchie sehr genau; bei seiner Tätigkeit im Dienste dieser Provinzen während des Krieges dachte er mehr an die Zukunft seines Heimatlandes unter dem Zepter der österreichischen Habsburger, während der Brabanter Merode-Westerloo, der allerlei Gründe zur persönlichen Abneigung gegen Ludwig XIV. hatte, vor allem die niederländischen Provinzen gegen dessen Eroberungspolitik sichern wollte. England und Holland erwarteten und wünschten, daß die militärische Entscheidung im Norden fallen sollte3). Für die Spanier Quiros und Hortiz war die Eroberung ihres Landes durch die Truppen des Erzherzogs besonders wichtig; besonders Hortiz wollte die Entscheidung darüber keineswegs den Diplomaten am Verhandlungstisch überlassen, durch die auch den Generalstaaten wichtige Zugeständnisse in den niederländischen Provinzen gemacht werden könnten. In Verhandlungen vom April 1677 hätte Ludwig XIV. den Generalstaaten den Besitz einer Barriere in den spanischen Niederlanden zugestanden; Wilhelm von Oranien und die Madrider Regierung hatten dagegen Einspruch erhoben4). Nachdem die Holländer den Besitz dieser Provinzen für den Erzherzog gesichert glaubten, waren ihre Forderungen auf Barriereplätze weniger gegen Ludwig XIV. als gegen ihn gerichtet. Mit dem Recht auf Garnisonen in den wichtigsten Festungen dieser Provinzen wollten sie auch einen Handelsvertrag verbinden, durch den sie 1) Über die Ziele der großen Allianz vom 7. September 1701: Redlich, S. 28 f., Legrelle, S. 169—173. 2) „Bouclier d’Estat et de Justice contre le dessein manifestement découvert de la Monarchie Universelle sous le vain prétexte des prétentions de la Reyne de France. 1667.“ Diese Schrift war gerichtet gegen die Autoren von Traktaten, die die Rechte der Königin von Frankreich auf Teile der spanischen Niederlande beweisen wollten. 3) Nach der Behauptung Merode-Westerloos, Mémoires. Band 2, S. 17, hätte die Schlacht bei Audenarde vom 11. Juli 1708 den Krieg beendigen können. 4) Lonchay, S. 279.