Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

102 Alphonse Sprunck die Kontrolle über die wirtschaftliche Entwicklung dieser Provinzen aus­üben könnten * 5). Sie sollten dem Hause Österreich nur als „Mandatgebiet“ überlassen werden, das in einem zukünftigen Kriege gegen Frankreich dessen Gegnern als Operationsbasis und Aufmarschgebiet wertvolle Dienste leisten könnte. Für die österreichischen Habsburger sollte der Er­werb dieser Provinzen keinen Zuwachs an Macht bedeuten, wie sie es für die spanischen Habsburger in der Blütezeit ihrer Monarchie gewesen waren. Die Überlassung der gesamten spanischen Monarchie an Erzherzog Karl war nur vorgesehen im Bündnisvertrag, den Kaiser Leopold am 16. Mai mit England und Portugal geschlossen hatte. Weder die Königin Anna noch die Generalstaaten wünschten einen Aufschwung der seit den letzten Regierungsjahren Philipps II. verfallenen spanischen Monarchie zu einer neuen Großmacht in Europa. Auch ohne allgemeine Werke über die diplo­matische Geschichte des spanischen Erbfolgekrieges zu Rate zu ziehen, er­kennt man vor allem an der Korrespondenz Hortiz’ ganz deutlich, wie die Verbündeten Österreichs sich immer mehr von dessen Hauptzielen abwandten und sich auf die Schwächung Frankreichs beschränken wollten. Gegen die Pläne der Engländer und Holländer konnten Merode- Westerloo und Hortiz gar nichts ausrichten; eine offizielle Ernennung irgendeiner Persönlichkeit zur Wahrung der Interessen Österreichs hätten die Regierungen von London und vom Haag wahrscheinlich überhaupt nicht erlaubt, da sie die niederländischen Provinzen als ein von ihnen er­obertes Gebiet ansahen, dessen endgültiges Schicksal durch einen allge­meinen Friedensvertrag geregelt werden sollte. Merode-Westerloo und Hortiz mußten ihre Dienste fast ausschließlich darauf beschränken, durch ihre persönlichen Beziehungen genaue Erkundigungen einzuziehen und diese nach Barcelona und Wien weiterzugeben. Mehr als der Brabanter hielt der Spanier am Vertrauen auf den Endsieg des Hauses Österreich fest, auch nachdem dessen militärische Lage in den niederländischen Pro­vinzen ganz ungünstig geworden war. Auch von den Verträgen von Ut­recht und Rastatt erwartete er, daß sie durch Veränderungen in der inneren Politik Englands und Hollands überholt wären; mit einer end­gültigen Herrschaft eines französischen Prinzen über Spanien konnte er sich gar nicht abfinden. Als Sproß einer alten Brabanter Adelsfamilie war Merode-Westerloo ein sehr selbstbewußter Charakter, der sich über alle politischen Fragen gerne ein persönliches Urteil bildete und vor Streitigkeiten mit hoch- gestellten Personen nicht im geringsten zurückschreckte. Recht scharfe Ur­teile über den Prinzen Eugen, Marlborough, sowie über englische und holländischen Politiker sind in seinen Briefen ziemlich häufig, zumal 5) Über die wirtschaftlichen Bestimmungen des Barrierevertrags: Huisman, S. 72—75.

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