Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

100 Alphonse Sprunck Besitzungen Spaniens zu unterstützen; die Generalstaaten verlangten da­mals schon das Recht, ihr südliches Nachbarland als Barriere gegen weitere Angriffe Frankreichs zu benutzen. Nachdem England im Vertrag von Lissabon vom 16. Mai 1703 Erzherzog Karl als König der gesam­ten spanischen Monarchie anerkannt hatte, mußte ihn der Kaiser auf englischen Schiffen zuerst nach Lissabon senden, von wo er sich nach der Eroberung eines Teils von Katalonien zuerst nach Valencia, dann nach Barcelona begab. Über das eigenmächtige Vorgehen der Seemächte, die in den katho­lischen Niederlanden nach der teilweisen Besetzung dieser Provinzen in Folge ihres Sieges bei Ramillies in Brüssel ganz willkürlich schalteten und walteten, ohne auf die Rechte und Interessen Österreichs und der einheimischen Bevölkerung die geringste Rücksicht zu nehmen, hatte auch Quiros sich sehr bitter beklagt. Die Berichte von Merode-Westerloo und Hortiz zeigen klar, daß diese schlimmen Zustände nach dem Tode von Quiros im Januar 1709 noch ärger wurden und diese Provinzen von den beiden Seemächten als erobertes Gebiet behandelt wurden. Weder Erz­herzog Karl, dessen Truppen im fernen Spanien gelegentlich Teilerfolge errangen, noch der Kaiser in Wien, der die Grenzen seiner Erblande gegen die ungarischen Aufständischen verteidigen mußte, verfügte über Machtmittel, diesem Treiben seiner Bundesgenossen ein Ende zu bereiten. Für die Wahrung seiner Rechte und Interessen in den südlichen Nieder­landen, deren Besitz ihm durch Verträge zugesichert war, war Erzherzog Karl angewiesen auf den guten Willen früherer Diener Karls II. von Spanien, die für ihn Partei ergriffen hatten, Erfahrung in Regierungs­geschäften besaßen, zu persönlichen Opfern bereit waren, Beziehungen zu hohen englischen und holländischen Persönlichkeiten besaßen und von diesen nicht einfach als Privatleute angesehen werden konnten, zumal wenn sie in der Lage waren, auch den Seemächten im Kampf gegen Frankreich wertvolle Dienste zu leisten. Als geschickter Diplomat, der überlegter und ruhiger handelte als Merode-Westerloo, wollte Hortiz den Engländern und Holländern mög­lichst wenig Gelegenheit bieten, seinen Herrn verächtlich zu behandeln und so dessen Ansehen bei der Bevölkerung der katholischen Niederlande zu schmälern. Unter den letzten Königen von Spanien hatte das An­sehen der Monarchie in diesen Provinzen durch die ungenügende Ver­teidigung gegen die französische Eroberungspolitik und die schlechte Ver­waltung sehr viel gelitten; in Brüssel hatte Max Emanuel sich mehr als Souverän denn als Gouverneur des spanischen Königs gefühlt. Hortiz wollte nicht, daß Erzherzog Karl als Herrscher der südlichen Niederlande unter die Vormundschaft seiner früheren Verbündeten geraten sollte. Auch Merode-Westerloo wollte nur Vasall eines Monarchen werden, dessen Souveränitätsrechte nicht durch andere Mächte eingeschränkt wären.

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