Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)

BLAAS, Richard: Die Archive im Bereich des Kulturgüterschutzes

570 Literaturberichte Zypern und das Lösegeld für Richard Löwenherz“ die Vorgeschichte der Gefangennahme des Königs im europäischen Zusammenhang. Dadurch sind viele neue und überraschende Aspekte sichtbar geworden. Gleich­zeitig werden alte, ohnehin suspekte Traditionen endgültig auf das rich­tige Maß zurückgeführt. Sehr interessant sind auch die Untersuchungen Erich Zöllners über ein mißlungenes Heiratsprojekt Heinrichs III. von England mit Margerete, der Tochter Herzog Leopolds VI. Trotz der keineswegs vergessenen Affäre des Lösegelds für Richard Löwenherz, die Österreich in England verhaßt gemacht hatte, scheint es den Englän­dern mit diesem Plan ernst gewesen zu sein. Er ist für Heinrich III. in sehr demütigender Weise gescheitert, da Margarete mit Heinrich (VII.) verheiratet wurde, für den eine Schwester des englischen Königs vorge­sehen war. Leo Santifaller bespricht vier Originalurkunden Papst Innozenz’ III. für das Kloster Lilienfeld, von denen erst zwei von Chryso- stomus Hanthaler abgedruckt worden waren, nach allen Regeln der diplo­matischen Kunst. Mit der systematischen Untersuchung „Über das Anek­dotische in spätmittelalterlichen Geschichtswerken Österreichs“ betritt Alphons L h o t s k y ein bisher ganz unbearbeitetes Gebiet, für das er mit seiner stupenden Quellenkenntnis die besten Voraussetzungen mit­bringt. Überdies hat der Jubilar selbst stets das Anekdotische in beson­ders amüsanter Weise in seine Werke aufgenommen. „Das Leben der Chinesen in der Sicht eines Tiroler Missionars“ schildert Günther H a- m a n n nach dem Textteil des Atlas Blaeuw-van der Hem, in dem der Trentiner Jesuitenpater Martino Martini die chinesischen Zustände in liebevoller Detailmalerei und mit offensichtlicher Hochachtung und Sympathie beschreibt. Der hohe Stand der Zivilisation, die Leistungen der Chinesen in Kunst, Literatur und Wissenschaft werden mit fast en­thusiastischer Begeisterung wiedergegeben. Der Vf. hat mit der Über­setzung des lateinischen Originaltextes und der Zusammenfassung der Urteile Martinis diesem trefflichen Gelehrten und damit auch seinem Orden ein schönes Denkmal gesetzt. Grete Klingenstein bringt mit der Beschreibung der Kavalierstour und der Bibliothek des Leo Wilhelm von Kaunitz einen „Beitrag zum Bild des Adeligen im 17. Jahrhundert“. Interessant ist, daß die Bildungsreise 1635/36 infolge des Krieges einen sonst ungewöhnlichen Verlauf nahm, zunächst durch ganz Italien und dann zu Schiff über Spanien, die Niederlande nach England. Leider ist das-Itinerar Leo Wilhelms verlorengegangen, die Reise muß aus dem Ver­zeichnis der nach Hause geschickten Raritäten erschlossen werden. Auch das Inventar der von Leo Wilhelm hinterlassenen Bücher ist mit 176 Titeln ziemlich dürftig. Der Versuch der Vfn., die Liste durch andere Bücher aus Bibliotheken des Hauses Kaunitz, die zur Zeit Leo Wilhelms erschienen sind, zu ergänzen, ist mit einiger Vorsicht aufzunehmen. Der Erwerb alter Bücher war damals durchaus gewöhnlich, Bibliotheken können auch auf dem Erbweg durch Seitenverwandte in den Familienbesitz gekommen sein. Hugo H a n t s c h schildert in seinem Beitrag „Das Haus Schön­born kommt nach Österreich“ sehr lebendig die zunächst vergeblichen Bemühungen des rheinfränkischen Hauses, mit dem österreichischen Hoch­adel in Familienverbindungen zu treten. Freilich waren die Ansprüche der Familie sehr groß. Der Reichsvizekanzler Friedrich Karl von Schönborn

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