Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)
BLAAS, Richard: Die Archive im Bereich des Kulturgüterschutzes
Rezensionen 571 hielt 20.000 fl. jährlich noch nicht für die Gründung einer Familie ausreichend (S. 149). Er selbst ist mittellos nach Österreich gekommen, es ist ihm aber in kurzer Zeit gelungen, so viel Besitz zu erwerben, daß seine Erben am Ende des 18. Jahrhunderts das erwünschte Ziel erreichen konnten. Erich Menhofer beschreibt „Österreich im Reiseführer Thomas Nugents“. Es ist verdienstlich, vergessene Reisebeschreibungen aufzuspüren. Leider schreibt Nugent aber so trocken und unpersönlich, daß er nicht im entferntesten mit den von ihm reichlich herangezogenen Landsleuten Edward Brown oder Lady Montagu verglichen werden kann. Leider wurde kein Versuch zur Feststellung unternommen, ob und wann Nugent überhaupt in Österreich gewesen ist. Sehr aufschlußreich ist hingegen der Versuch Hanns Leo Mikoletz- kys, das „Bild und Gegenbild Kaiser Ferdinands I.“, des schwächsten aller Habsburger, mit dem sich auch der Jubilar beschäftigt hat, zu zeichnen. Hier entsteht ein scharfes und plastisches Bild des armen egozentrischen Epileptikers, das durch die Beigabe von Tagebuchaufzeichnungen des abgedankten Monarchen von der Reise von Olmütz nach Prag vortrefflich illustriert wird (S. 193 ff.). Richard Georg P 1 a s c h k a untersucht die Hintergründe der „Einberufung des Slawenkongresses 1848“ und zeigt die dabei zutage tretenden Spannungen zwischen den einzelnen Völkern. Die „Geheimnisse des sächsischen Kabinetts“ von Karl Friedrich Graf Vitzthum von Eckstätt, eine Tendenzschrift aus dem Jahr 1866 über den Ursprung des Siebenjährigen Krieges behandelt Helmut Rumpler. Die historisch wenig bedeutsame Schrift wird in ihrer Wirkung auf die Tagespolitik und in ihrer Stellung zur späteren berühmten, durch die Untersuchungen Max Lehmanns eingeleiteten Kontroverse zur Schuldfrage am Ausbruch des Siebenjährigen Krieges genau charakterisiert. Die folgenden drei wichtigen Beiträge befassen sich mit autobiographischen Quellen aus dem 19. Jahrhundert. Adam Wandruszka berichtet über „Karl Moerings Tagebücher“, die aus der Zeit von 1829 bis 1870 in nicht weniger als 55 Bänden erhalten sind. Die Proben zeigen, daß Moering amüsant und lebendig berichten konnte. Besonders in den 60er Jahren, als er hohe militärische und zivile Stellen bekleidete, sind die Tagebücher eine Fundgrube zur Zeitgeschichte. Ihr großer Umfang ist einer Bearbeitung natürlich hinderlich. Möge es dem Verfasser vergönnt sein, die geplante große Biographie Moerings und eine Auswahl aus dieser bedeutenden Quelle zu veröffentlichen. Walter Goldinger untersucht „Die Erinnerungen des Grafen Kielmansegg als historische Quelle“. Er kommt zu dem Schluß, daß ihr Wahrheitsgehalt trotz der späten Niederschrift, allzuscharfer Kritik, persönlicher Ressentiments und einer gewissen Vorliebe für unbewiesenen Klatsch recht groß ist. Inzwischen sind diese sehr interessanten Erinnerungen eines hohen Beamten vom Vf. in Auswahl herausgegeben worden (Wien 1967). Erika Weinzierl- Fischer schließlich berichtet über ein „Reisetagebuch des Prinzen Aloys Liechtenstein von 1871“, über die Eindrücke des jungen Mannes von dem durch die Deutschen besetzten Frankreich und von der Nationalversammlung in Bordeaux. Der spätere „rote Prinz“ zeigt sich hier noch als Erzkonservativer, als Bewunderer der Preußen und voll nationaler Res-