Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)

BLAAS, Richard: Die Archive im Bereich des Kulturgüterschutzes

Rezensionen 533 Biographien Braubach Max, Prinz Eugen von Savoyen. Eine Biographie. 5 Bände, Ver­lag für Geschichte und Politik, Wien 1963—1965. Seit dem großen Werk über den Prinzen von Arneth, dessen erste Auf­lage vor über hundert Jahren erschienen ist, besitzen wir keine wissen­schaftliche Biographie dieser Zentralfigur der österreichischen und euro­päischen Geschichte. Wohl sind zahlreiche, z. T. recht feinsinnige bio­graphische Skizzen und Essays über den Savoyer erschienen, auch die historische Publizistik hat sich seiner bemächtigt und, was das Wesent­liche ist, auch in zahlreichen Einzeluntersuchungen und Quelleneditionen findet seine Persönlichkeit in ihren mannigfaltigen Zügen Berücksichti­gung. Eine umfassende Biographie schien jedoch bis vor wenigen Jahren nicht möglich und Heinrich v. Srbik hat kurze Zeit vor seinem Hinscheiden gemeint, daß für eine wissenschaftlich befriedigende Lebensbeschreibung des Prinzen die Arbeit eines ganzen Teams notwendig sei. Mit dem Erscheinen des vorliegenden Werkes hat sich die Situation grundlegend geändert. Freilich blickt auch der Bonner Historiker Max Braubach auf jahrzehntelange Forschungen zum Thema zurück. Mehr noch: viele Dissertationen seiner Schule stellten Einzelstudien zur Bio­graphie Eugens dar. Aus seiner Feder selbst besitzen wir zahlreiche Unter­suchungen und ein vorbereitendes Werk, das schon vor längerer Zeit er­schienen ist1), ließ uns auf einen großen Wurf hoffen. Jetzt, wo die Bio­graphie abgeschlossen vor uns liegt, müssen wir bekennen, daß unsere kühnsten Erwartungen übertroffen wurden. Es wird nur wenige Leistun­gen auf dem Gebiet der historischen Biographie aller Zeiten geben, die sich mit dem vorliegenden Werk vergleichen ließen. Dies gilt im gleichen Maß für die Darstellungskraft wie für die wis­senschaftliche Fundierung des Werkes. Was letztere betrifft, so hat der Verf. in jahrzehntelangen Vorarbeiten die europäischen Archive durch­forscht; dazu hat er die zeitgenössische Literatur und die späteren ein­schlägigen Untersuchungen ebenso berücksichtigt, wie die Quellenaus­gaben aus drei Jahrhunderten. Daß er bei der Sichtung dieses ungeheuren Materials nicht die großen Linien des Geschehens aus seinen Augen ver­lor, ist das erstaunliche Ergebnis einer strengen wissenschaftlichen Selbst­zucht. Als er an die Abfassung der Biographie schritt, gelang ihm dann diese in einem Zug. Das Werk war ursprünglich auf 4 Bände geplant, doch machte der Fortgang der Arbeit die Ausweitung auf 5 Bände nötig. Sie wurden sozusagen in einem Zug geschrieben und erschienen in rascher Folge innerhalb von kaum drei Jahren. Im ersten Band 2) erleben wir die ziemlich freudlose Jugend des Prin­zen, eines häßlichen Gnoms, der wegen seines unvorteilhaften Äußeren den mannigfachsten Demütigungen ausgesetzt ist. Auch die spannende Geschichte seiner Familie, des Hauses Savoyen und besonders seiner ') Max Braubach, Geschichte und Abenteuer. Gestalten um den Prinzen Eugen. München 1950. 2) Bd. I. Aufstieg. 1963. 469 Seiten und 23 Abbildungen.

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