Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)
BLAAS, Richard: Die Archive im Bereich des Kulturgüterschutzes
534 Literaturberichte schwierigen Mutter Olympia lernen wir hier kennen. Als sich der Jüngling mit seinem Freund Conti, einem Schwiegersohn Ludwigs XIV., entschließt, Frankreich zu verlassen, ist dieser Schritt für ihn wohl zugleich eine Flucht aus seinem ganzen bisherigen Leben. B. schildert in der Folge die Situation Österreichs im Sommer 1683, als Eugen dem Kaiser seine Waffendienste anbietet. Leopold I. und seine Umgebung werden hinlänglich charakterisiert. Beim Entsatz von Wien empfängt der Prinz seine Feuertaufe. Schon im Dezember erhält er ein Dragonerregiment, das er bis zu seinem Tod durch alle Wandlungen des Kriegsglücks, immer wieder durch Neuaufstellungen ergänzt und wiederhergestellt, innehat. Und jetzt beginnt eine steile militärische Karriere unter der sichtlichen Protektion des Kaisers. Er findet hier auch bereits seine ersten treuen Kameraden, meistens Italiener. 1684, im Jahr des mißglückten Unternehmens gegen Ofen, erleidet er die erste Verwundung. Für die Neuaufstellung seines in den Kämpfen stark mitgenommenen Regiments erhält er finanzielle Unterstützung von seinen Verwandten am Hof in Turin. Schon 1685 erlangt er nach Erfolgen bei Gran die Generalswürde. 1686 nimmt er an der Eroberung von Ofen teil. Nach wie vor hat er mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Nach dem Sieg am Berge Harsan, 1687, wird der Prinz — noch nicht 25 Jahre alt! — zum Feldmarschalleutnant befördert. Im folgenden Jahr erlitt er im türkischen Feldzug neuerlich eine Verwundung. Er sollte noch oft sein Blut für das Haus Österreich hergeben müssen. In der Zeit seines Aufstiegs vom Volontär zum Feldmarschall erfolgt jetzt insofern eine Änderung, als er 1689 zum ersten Mal gegen Frankreich kämpft. Er nimmt teil an der Belagerung von Mainz. In diese Zeit fällt seine vergebliche, seltsame Werbung um Franziska von Lauenburg. 1690, in der Zeit der Niederlagen der kaiserlichen Waffen in Italien, hat Eugen seine ersten noch leicht bereinigten Schwierigkeiten mit den Wiener Zentralstellen. Aber schon im folgenden Jahr nach dem geglückten Entsatz von Cuneo kommt es zum offenen Zerwürfnis zwischen ihm und seinem Oberbefehlshaber Carafa, der dann abberufen wurde. Als Eugen schließlich 1693 tatsächlich Feldmarschall wird, ist er noch nicht 30 Jahre alt. Seine finanzielle Lage hat sich indessen noch immer nicht wesentlich gebessert. Eugen kämpft weiter auf dem italienischen Kriegsschauplatz. 1692 hat er zum ersten Mal von dort aus als Feind den Boden seiner früheren französischen Heimat betreten. Nach der Niederlage von Marsaglia und der merkwürdigen Übergabe Casales gerät die Kriegführung in Italien immer mehr ins Stocken. Ein schwerer persönlicher Schlag für Eugen ist der Abfall des Herzogs von Savoyen vom Kaiser, 1696. Aber es ist dies zugleich der Anlaß, sich voll und ganz zu Österreich zu bekennen. Hatte er noch vor wenigen Jahren, hauptsächlich unter dem Einfluß seiner Mutter, den Gedanken gehegt, in spanische Dienste zu treten, so war jetzt für ihn sein weiterer Weg klar vorgezeichnet. Seine 7 Kriegsjahre in Italien hatten dem Prinzen zwei Niederlagen und keinen wirklichen Sieg eingebracht. Der „Durchbruch zum Ruhm“