Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)

BLAAS, Richard: Die Archive im Bereich des Kulturgüterschutzes

Rezensionen 523 Jänner 1795 benötigte die Kurierpost von Wien nach London bis zu ein­einhalb Monaten. Sehr oft war beim Eintreffen von Nachrichten bereits die Kriegslage vollständig anders geworden. Dazu kam noch, daß die Österreicher dem englischen parlamentarischen Regierungssystem, das freie Entscheidungen der Minister oft nicht zuließ, ganz uninformiert gegenüberstanden. Vor dem Unterhaus hat William Pitt mehrmals wie ein Löwe und immer siegreich für die Sache Österreichs gegen die Oppo­sition gekämpft. Dabei hat er am 4. April 1797 schöne Worte für unsere Leistungen gefunden: „Wenn wir die Feldzüge dieses Krieges überblicken, ist es unmöglich, in der Geschichte Beispiele von größerer Tapferkeit bei den Soldaten, von vollendeteren Talenten der Generale und von mehr wahrer Großherzigkeit eines Souverains zu finden, als sie (die Öster­reicher) bewiesen haben“ (S. 91). Dieses enthusiastische Lob ist sicher mit großer Vorsicht als Verteidigung der angegriffenen Regierung zu werten. Charles Fox hat zwei Jahre früher bei einer ähnlichen Debatte als Spre­cher der Opposition Kaiser Franz schlicht als „perfidious“ bezeichnet, was ihn übrigens nicht hinderte, sich 1805 als Foreign Secretary sehr für Sub- sidienzahlungen an Österreich einzusetzen. Im ganzen zeigt die vorliegende Arbeit, die ein sorgfältiges Studium verdient, sehr gut die vielfältigen Verflechtungen von Finanzgeschäften und Außenpolitik, die Abhängigkeit der Entscheidungen von der augen­blicklichen Kriegslage, die starke Stellung Österreichs als ständiger Geg­ner Frankreichs am Kontinent, die stets prekärer werdende Finanzlage der Monarchie und natürlich auch die Uneinbringlichkeit von Kriegs­anleihen an Bundesgenossen. Dem Vf. ist für die Klarheit, mit der die schwierigen Probleme des Kapitalmarktes und des Geldumlaufs — eine Hauptschwierigkeit für England war das ständige Verlangen Österreichs nach Zahlungen in Edelmetall oder Münzen — auch Laien verständlich gemacht werden, zu danken. Er hat einen äußerst wichtigen Beitrag zum Verständnis der Koalitionskriege geliefert. Hans Wagner (Salzburg). Engel-Janosi Friedrich, Geschichte auf dem Ballhausplatz. Essays zur österreichischen Außenpolitik 1830—1945. Verlag Styria, Graz 1963, 346 Seiten und 10 Abbildungen. Zum 70. Geburtstag des profilierten österreichischen Gelehrten der alten Schule, Friedrich Engel-Janosi, haben seine Freunde und Schüler eine Sammlung seiner weit verstreuten Studien über die Geschichte der österreichischen Außenpolitik seit 1830 vorgelegt. Dies dürfte sich als nützlicher und für die Forschung notwendiger erweisen, als die Heraus­gabe einer Festschrift, zumal die Aufsätze hier zum guten Teil überhaupt zum ersten Mal in deutscher Sprache erschienen. Daß sich der Bogen des Lebenswerkes von Engel-Janosi weiter spannt, beweisen die wahrhaft universalhistorischen Dimensionen des Verzeich­nisses seiner Werke, das im Anhang der vorliegenden Sammlung vorgelegt wird. Dennoch trifft hier die Auswahl ein Gebiet, das dem Geehrten be­sonders nahe steht, dem er sich immer wieder mit Vorliebe gewidmet hat. Dies beweist auch der erste Aufsatz, zugleich die einzige Erstver­

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