Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)

BLAAS, Richard: Die Archive im Bereich des Kulturgüterschutzes

524 Literaturberichte öffentlichung der Sammlung, eine zusammenfassende Einleitung über den Ballhausplatz von 1848 bis 1918. Diese gedankenreiche Vorstudie zu der noch nicht geschriebenen Geschichte des Ministeriums des Äußeren weist der künftigen Forschung Weg und Richtung. Die folgenden drei Beiträge behandeln die frühere Zeit: Österreich und die Anfänge des Königreiches Griechenland, das diplomatische Ringen zwischen Österreich und Preußen in Berlin und Frankfurt 1849—1855 sowie die Orientfrage 1856—1859. Diese Arbeiten rühren von der Be­schäftigung des Gelehrten in seiner Jugend mit der Persönlichkeit von Prokesch-Osten, deren Krönung, eine vollständige Biographie, er uns leider bis heute schuldig geblieben ist. Zwei weitere Aufsätze behandeln einen Wende- und Knotenpunkt der österreichischen Geschichte nach der Entscheidung in Deutschland von 1866, die Möglichkeit einer eventuellen Rückkehr Österreichs in die deutsche Politik: die römische Frage in den diplomatischen Verhandlungen 1869/70 und Österreich-Ungarn im Sommer 1870. In der folgenden Untersuchung über den Rücktritt des Außenministers Kálnoky im Mai 1895 werden die innenpolitischen Hintergründe in Be­ziehung gesetzt zu den internationalen Aspekten, die zum ersten Mal wahrhaft globale Ausmaße annehmen. Ein neues Jahrhundert kündigt sich dem alten Kaisertum der Habsburger an. Die letzten zwei Beiträge liegen etwas außerhalb des Rahmenthemas: Bemerkungen zum österreichischen Widerstand 1938—1945 und ein beson­ders beziehungsreicher und tiefsinniger Essay über die Verantwortung des Geschichtsschreibers. Ein von F. Fellner mit feinsinniger Einfühlungsgabe verfaßtes Lebens­bild des Jubilars rundet das Ganze ab. Mit Bewunderung legt man das inhaltsschwere Büchlein weg und mit Wehmut und Bitterkeit über eine Zeit, die in wahnsinniger Verblendung die vorhandenen reichen Talente nicht zu nutzen wußte, ja sie in ihrer Entfaltung in der Heimat mutwillig verhinderte. Rudolf Neck (Wien). Kann Robert A., Das Nationalitätenproblem der Habsburgermonarchie. Geschichte und Ideengehalt der nationalen Bestrebungen vom Vormärz bis zur Auflösung des Reiches im Jahre 1918. 2. Aufl., 2 Bde., Veröffent­lichungen der Arbeitsgemeinschaft Ost, Band IV, V. Verlag Hermann Böhlaus Nachf., Graz—Köln 1964, 472, 457 S. Der Verfasser des vorliegenden Werkes ist längst als ausgezeichneter Fachmann der neueren Geschichte Österreichs bekannt, insbesondere jener vieldiskutierten Probleme, die sich aus der Mannigfaltigkeit der ethnischen Struktur der Habsburgermonarchie ergaben. Das Thema besitzt wissenschaftliche Aktualität. In den letzten Jahren erschienen mehrere wichtige Monographien über die österreichische Nationalitäten­frage. Es sei hier lediglich auf die Arbeiten von Hugo Hantsch (1953), Fran Zwitter (1960) und Hans Mommsen (1963) hingewiesen. Die um­fassendste, systematische Behandlung des Themas verdanken wir jedoch Professor Kanns zweibändigem Werke, dessen in deutscher Sprache er­schienener zweiter Auflage diese Rezension gewidmet ist. Die deutsche

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