Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)

BLAAS, Richard: Die Archive im Bereich des Kulturgüterschutzes

Rezensionen 517 lichkeit, jenseits der Leitha, also im Westen, auf Verständnis zu stoßen, hat László Németh 1941 am Beispiel Grillparzers gezeigt. „Attilas Reiter­scharen“ berichtet von der seit Ladislaus dem Rumänen gepflegten Tradi­tion der Verwandtschaft mit den Hunnen und von der Vorgeschichte und langsamen Seßhaftwerdung der aus Finno-Ugriern und Turkvölkern be­stehenden Magyaren, die ihren nur im Ausland gebrauchten Namen Un­garn von den türkischen Onoguren empfangen haben. Aus der Vergangen­heit des Jäger- und Nomadenvolkes erklärt sich sein Freiheitsdrang, der sich im Widerstandsrecht der Goldenen Bulle Andreas II. von 1222 mani­festiert und später die habsburgischen Könige vor so große Probleme gestellt hat. „Im Zelt des Großwesirs“ spielt auf die Huldigungsszene Fürst Michael Apafis und einiger ungarischer Magnaten vor dem Großwesir während der zweiten Türkenbelagerung an. Schilderungen der Flucht der Königin Maria nach dem Eintreffen der Nachricht von der Niederlage von Mohács 1526 und der Übergabe der Ofener Burg durch Königin Isa­bella an Sultan Soliman 1541 suchen diese Entwicklung zu erklären. Da­zwischen steht der Widerstand des ungarischen Adels gegen die auswär­tigen habsburgischen Könige, die durch ihre europäische Politik immer wieder von einer wirksamen Türkenabwehr abgehalten wurden, und die unselige Dreiteilung des Landes in einen habsburgischen und türkischen Teil und in den türkischen Vasallenstaat Siebenbürgen. „Die Kanonen der Majestät“ gehen auf die kühnen, aber aussichtslosen Versuche ein, das Land unter diesen Verhältnissen von Siebenbürgen aus zu einigen. Nach einer geschickten Verständigungspolitik unter Ferdinand I. ver­ursachte die unsinnige Haltung der kaiserlichen Heerführer und die Ver­ständnislosigkeit Maximilians II. und Rudolfs II. die Verewigung des Zwiespalts. Erst „mit seinen Kanonen“ hat Rudolf II. den tüchtigen Stephan Bocskay von Siebenbürgen auf die Seite der Türken gejagt. Nach einer kurzen Blütezeit Siebenbürgens unter den Bethlen und den ersten Rákóczi folgte nach dem verhängnisvollen Polenzug Georgs II. die Zer­störung des Landes durch die Türken. Dem nach dem Abwehrerfolg von St. Gotthard „für Wien so schändlichen Frieden von Eisenburg“ (S. 63) folgte die Verschwörung der an der Erlösung ihres Landes verzweifeln­den Magnaten. Die beiden letzten Skizzen „Die Idee einer Königin“ und „Das Schweigen eines Politikers“ versuchen, kurz auf die Probleme des 18. und 19. Jahrhunderts einzugehen, auf das für die Entwicklung des Landes so verhängnisvolle Scheitern der Reformen Maria Theresias und Josephs II. am Widerstand der privilegierten Stände und auf den vergeblichen Kampf Széchenyis und Déaks gegen den selbstzerstörerischen Doppelkampf der ungarischen Nationalliberalen gegen Wien und die nichtmagyarischen Nationen des Königreiches gegen die Überheblichkeit und die für einen Liberalen so kompromittierende Berufung Kossuths auf das historische Recht eines Jahrtausends magyarischer Vorherrschaft, der Déak, der Vater des österreichisch-ungarischen Ausgleichs, sein Schweigen entgegen­gesetzt hat. Hier wäre ein näheres Eingehen auf die verwickelten Ver­hältnisse im Interesse des nichtinformierten österreichischen Lesers wün-

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