Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)

BLAAS, Richard: Die Archive im Bereich des Kulturgüterschutzes

LITERATURBERICHTE REZENSIONEN Allgemeine und politische Geschichte Eosdy Ladislaus, Sieben Versuche über Ungarn. Größe und Tragik eines Königreiches. Verlag Herold, Wien—München 1966, 94 Seiten. In sieben Essays wird hier der begrüßenswerte Versuch unternommen, dem österreichischen Leser das Schicksal des Nachbarlandes vor Augen zu führen, das nur mehr der nun langsam schwindenden Vorkriegsgene- ration als „östliche Reichshälfte“ der Doppelmonarchie in Erinnerung ist. Gerade sie aber hat infolge der ständigen Zwistigkeiten, die dem Ende der Monarchie vorausgegangen sind, kein objektives Bild gewinnen kön­nen. Der Verfasser lebt als gebürtiger Ungar in Österreich, er steht zwi­schen den Nationen und ist so imstande, den magyarischen Standpunkt in vornehmer, aber dafür umso eindringlicherer Weise zu vertreten. Seit über hundert Jahren warten wir auf eine ausführliche ungarische Ge­schichte in einer anderen Sprache als der magyarischen. Seit fast ebenso langer Zeit hat kein namhafter österreichischer Historiker mehr diese Sprache vollkommen beherrscht. So ist es kein Wunder, daß die Geschicke des heute nur eine Autostunde von Wien entfernten Landes, das fast vier­hundert Jahre lang die Herrscher mit uns teilte, für uns wie hinter dich­tem Nebel verborgen scheinen. Die Unwissenheit nicht nur der Allge­meinheit ist erschreckend, die aus diesem Nichtwissen geborenen Vor­urteile sind nicht auszurotten. Der erste Essay „Schiffe auf der Donau“, nach dem erschütternden Bericht des Kriegsgefangenen Johann Ferdinand Auer über die nächtliche Begegnung von Sklavenschiffen 1663, die zu den orientalischen Märkten geführt wurden, ruft die große Leidenszeit Ungarns unter der Türken­herrschaft in Erinnerung. Reiseberichte von Edward Brown in der Barock­zeit bis zu Otto von Bismarck 1852 schildern das im Westen unbekannte und fremde Land. „Diesseits und jenseits der Leitha“ betont neben den vielen Gemeinsamkeiten und Bindungen zum Westen die Einsamkeit des Steppenvolkes, der „asiatischen Eindringlinge“, die sich, rund 1500 km von den nächsten Verwandten, den Finnen, entfernt, am Rande des west­lichen Kulturkreises niedergelassen und behauptet haben. Nach dem kur­zen Höhepunkt und der Nationsbildung unter Matthias Corvinus folgten eineinhalb Jahrhunderte der Zerrissenheit, der Ausrottung und der bei­spiellosen Verarmung des Landes durch ununterbrochene Kämpfe. Nach der nicht aus eigener Kraft erfolgten Vertreibung der Türken konnte das Problem der nationalen Freiheit nicht mehr gelöst werden. Die Unmög­

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