Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)

BRETTNER-MESSLER, Horst: Die Balkanpolitik Conrad von Hötzendorfs von seiner Wiederernennung zum Chef des Generalstabes bis zum Oktober-Ultimatum 1913

Die Balkanpolitik Conrad v. Hötzendorfs 255 Am 24. August traf im Evidenzbüro folgendes Telegramm des Militär- attachés ein: „Generalstabsoffizier aus dem Operationsbureau teilt mir mit: Generalstab hätte von Berlin telegraphisch — vermutlich vom bulgarischen] Mil[itär] Attaché — folgende Meldung erhalten: Rumä­nischer Mil[itär] Att[aché] hätte sich geäussert, dass nun Rumänien mit Russland gehen wird, Rumänien erhebt keine Ansprüche auf Bessarabien, die Ideale Rumäniens führen nach Siebenbürgen, daher rechnet Rumä­nien auf Freundschaft mit Bulgarien“ “ 42). Um sich über die Stimmung im Lande zu informieren unternahm Laxa eine viertägige Reise durch einen Teil Bulgariens. Nach Sofia zurückgekehrt, berichtete er am 14. VIII. ausführlich über seine gewon­nenen Eindrücke: „Der Armeegeneralstabschef ... und der Generalstabs­chef der 3. Armee ... versicherten mich übereinstimmend, dass die bul­garische Armee entschieden austrophil ist und das Heil Bulgariens im Zusammengehen mit der österreichisch-ungarischen Armee ersehe. Dies ermutigte die beiden Herren mich zu ersuchen, Eure Exzellenz zu bitten, die Revision der Bukarester Friedenskonferenz zu fordern und für Bulgarien Kavala, Seres, Egri Palanka, Kocana und Stip zu gewin­nen ..Sodann versuchten die beiden Offiziere und ein Organ des Außenministeriums Laxa zu überzeugen, daß die Anhänger Rußlands sehr an Terrain verloren hätten. Um die russophile Partei völlig zu ver­nichten, sollte die Monarchie der austrophilen Regierung „... durch einen ausschlaggebenden Erfolg die Tätigkeit erleichtern und die Existenz derselben sichern.“ Überdies hätten sie das Gefühl Petersburg werde durch ein entschiedenes Auftreten gegen die Türkei zu beweisen ver­suchen, daß Bulgarien nur durch Rußland gerettet werden könne. Dadurch würde die russophile Partei wieder Auftrieb erhalten und Österreich- Ungarn müsse trachten, diesen Bemühungen zuvorzukommen. Auch Laxa vertritt die Auffassung, es wäre für die Monarchie am besten die momentan günstige Situation voll auszunützen. Durch eine Unterstüzung könne man .. wenigstens auf Jahre sich den Dank Bulgariens sichern und den Russophilen den Todesstoß versetzen“ 43). Hätte Conrad von Hötzendorf diesen Bericht bereits Mitte August erhalten, so wäre er dem bulgarischen Ansuchen nach einer Revision der Bukarester Friedensbestimmungen wahrscheinlich nicht nachgekom­42) K. A.: Ch. d. Gstbs., Evb., Fasz. 5542. (Chifferntelegramm Laxas: Aufg. Sofia 23. VIII. 1913 2h 30m nm.; einget. Evb. 24. VIII. 1913 9 h vm. Res. Nr. 262. Ging nicht an das A. M., Evb. Nr. 3838). Siehe auch: Ö.-U. A. VII: n. 8432. Tarnowski teilte Berchtoid ebenfalls die Äußerungen des rumänischen Militär- attachés in Berlin mit. Der Hinweis auf Rumäniens Wunsch nach einer Ver­ständigung mit Sofia fehlt allerdings. 43) K. A.: Ch. d. Gstbs., Evb., Fasz. 5542. (Bericht Laxas vom 14. VIII. 1913, Res. Nr. 250, präs. Ch. d. Gstbs. 23. VIII. 1913. Ging nicht an das A. M., Evb. Nr. 3830).

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