Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)

BRETTNER-MESSLER, Horst: Die Balkanpolitik Conrad von Hötzendorfs von seiner Wiederernennung zum Chef des Generalstabes bis zum Oktober-Ultimatum 1913

256 Horst Brettner-Messler men44). Doch da sich seine Einstellung Bulgarien gegenüber in den folgenden drei Wochen wesentlich änderte, dürften die Nachrichten Laxas nicht ohne Einfluß auf ihn geblieben sein. Conrad, der von einer baldigen Auseinandersetzung mit Rußland überzeugt war und der die Entwicklung der Lage unter einem rein militärischen Gesichtswinkel betrachtete, hielt den Abschluß eines Bünd­nisses mit Rumänien für die wichtigste Aufgabe der österreichisch-ungari­schen Außenpolitik. Der Chef des Generalstabes begründet diese Forde­rung mit der Feststellung, „... daß ein Verlust der rumänischen Mitwir­kung dem Verlust von etwa 15 Divisionen — 400.000 Mann —, der Bei­tritt Rumäniens zu unseren Feinden aber dem Verlust von etwa 30 Divi­sionen — 800.000 Mann — zu unseren Ungunsten gleichzuhalten wäre“. Dieser Verlust sei deshalb so schwerwiegend, da die militärische Erstar­kung Serbiens die Monarchie zwinge, „... noch weit mehr Streitkräfte als bisher in dieser Richtung zu verwenden und so der Entscheidung auf dem anderweitigen Hauptkriegsschauplatz zu entziehen“. Auf eine Bin­dung serbischer Kräfte durch Bulgarien oder Albanien könne nicht gerechnet werden, da Serbien durch Konzessionen in Mazedonien Bul­garien leicht für sich gewinnen könne und Albanien gegenwärtig noch keinen „... nennenswerten militärischen Faktor ...“ darstelle45). Am 6. September nimmt Conrad neuerlich zur Verschiebung des Kräftegleichgewichtes auf dem Balkan Stellung. Um das militärische Gleichgewicht auf der Balkanhalbinsel aufrechtzuerhalten, greift er wiederum auf den Gedanken einer friedlichen Eingliederung Serbiens in die Monarchie zurück. Wie schwer es jedoch bereits geworden war, dieses Ziel zu erreichen, geht aus dem Schreiben vom 6. IX. klar hervor, da der Chef des Generalstabes zu viele Unsicherheitsfaktoren in seine Pläne * 13 * * 16 44) Conrads zu dieser Zeit bulgarienfeindliche Haltung geht aus einem Brief an Berchtold hervor. Am 12. VIII. 1913 erhielt Conrad ein Telegramm Laxas, in dem er ersucht wird, den Rückzug der rumänischen Truppen aus dem Gebiet Sistovo-Plevne-Vratca-Berkovice-Vidin zu erwirken, da durch das Verblei­ben rumänischer Truppen in diesem Gebiet die Demobilisation der bulgarischen Armee verzögert werde. (K. A.: Ch. d. Gstbs., Evb., Fasz. 5542. Chifferntele- gramm Laxas: Aufg. Sofia 11. VIII. 1913 8 h 20 m nm,; einget. Evb. 12. VIII. 1913 8 h 30 m vm. Res. Nr, 247. Ging nicht an das A. M., Evb. Nr. 3724). Einen Tag später wiederholte Laxa das bulgarische Ansuchen: (Ebenda: Chifferntelegramm Laxas: Sofia 12. VIII. 1913 8h 30 m nm.; einget. Evb. 13. VIII. 1913 9 h vm. Res. Nr. 248. Ging nicht an das A. M., Evb. Nr. 3724). Da Conrad befürchtete, ein Druck der Donaumonarchie auf Rumänien würde die Differenzen zwischen Wien und Bukarest noch vergrößern, nahm er zu dem Ansuchen folgendermaßen Stellung: „Ich erlaube mir, meiner Ansicht dahin Ausdruck zu geben, daß ich mehr als eine bloße Bekanntgabe dieses Wunsches an Rumänien für nicht opportum erachte, wenn überhaupt auf diese Frage unserseits eingegangen würde.“ (A. M. D. Ill S. 412. Brief Conrads vom 16. VIII. 1913). 45) A. M. D. Ill: S. 417 ff. (Brief Conrads vom 25. VIII. 1913).

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