Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)
RAINER, Emil: Der Abenteurer Sardan
530 Miszellen Öffentlichkeit beschäftigte, verschwand er rasch vom Schauplatze des totgeborenen Unternehmens. Der weitere Gang der Ereignisse läßt sich ziemlich genau aus den in Archiven von Den Haag und Simancas verwahrten und zum Teil veröffentlichten Dokumenten verfolgen. Am 20. Mai 1674 kam Riomal in Genua an, wo seit Beginn des Jahres 1672 Marqués de Villagarcia als außerordentlicher spanischer Gesandter tätig war; im Juli 1674 wurde diesem im Zusammenhänge mit dem Projekte Sardans ein gewisser Castro beigegeben. Riomal begann die Korrespondenz mit Holland am 3. Juni. 1674 unter dem Decknamen Herman de Soumager22). Gleichfalls aus Sicherheitsgründen waren alle Briefe zwischen Spanien und Villagarcia chiffriert, doch werden sie im Archiv von Simancas entschlüsselt wiedergeben. In den ersten Briefen klagte Riomal besonders darüber, daß er weder vom Prinzen noch von Sardan Nachrichten hätte. Aber Wilhelm III. war zu jener Zeit im Felde (am 11. August war die große Schlacht bei Senef), und Sardan konnte nichts unternehmen, bevor sein Vertrag mit Spanien geschlossen war. Erst am 29. Juli verließ er Madrid in der Richtung auf die Pyrenäen. Am 5. August schrieb Riomal, daß die Deputierten der Konföderation, die sogleich nach der Unterfertigung des Spanien Vertrags nach Genua hätten kommen sollen, noch nicht erschienen wären. Aber ein Freund, der die für einen Angriff in Aussicht genommene Gegend besichtigt hatte, teilte ihm mit, daß sich dort noch nichts ereignet hatte. Wenn Sardan Wort halte, schrieb Riomal weiter, werde mit Gottes Hilfe der Plan gelingen. Aber Eile sei geboten. Man könnte, solang der Feind noch schlafe, den Schlag mit geringer Mannschaft führen, und wenn man lange warte, werden die Truppen in die Winterquartiere gehen und dann wäre nichts mehr zu unternehmen. Auch für die Schiffahrt würde das Wetter bei vorschreitender Jahreszeit ungünstiger werden. Schon in diesem Schreiben konnte Riomal seinen Zweifel an Sardan nicht unterdrücken: „Je suis St. Thomas sur les promesses de notre vicomte“ 23). Am gleichen Tage schrieb Sardan aus Zaragoza an Riomal, er habe sich früher nicht melden können, denn erst am 22. Juli sei er mit „notre patron“ (Castel Rodrigo) einig geworden. Er wisse, daß die „Ware“ durch Verzögerung leide, aber er müsse noch zwei Verbündete abwarten, dann werde er Riomal bekanntgeben, wohin er das Geld senden solle und wieviel24). Aber dies beschwichtigte Riomal nicht. Am 12. August schrieb er, er sei begierig, den Ausgang der Versprechungen Sardans zu erfahren. Am 19. August berichtete er, daß er auf zwei Briefe an Sardan keine Antwort erhalten habe; auch dessen Boten habe er noch nicht gesehen. Mit dem Gelde fühle er sich in Genua nicht 'Sicher. In diesem Schreiben meldete 22) Krämer a a. 0., Seiten 52—56. 23) Krämer a. a. O., Seite 59. Dr. N. Japikise, Correspondentiie van Willem III em van Hans Willem Bentinek eersten graaf van Portland. Rijksgeschieds kundige Publicatién, kleine Serie, Band 26, 1. Teil, Seite 447. 24) Krämer a. a. 0., S. 60.