Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

RAINER, Emil: Der Abenteurer Sardan

Miszellen 531 er auch die Ankunft eines kleinen Schiffes mit holländischer Beman­nung 25). Am 6. September bat Biomal neuerlich um Befehle. Im Falle, daß der Prinz andern Sinnes geworden sei, möge er Riomal nach Holland zurückkommen lassen26). Am 17. Oktober sandte Pedro Coloma, Staatssekretär für die Ange­legenheiten des Nordens, dem Marqués de Villagarcia den Geheimvertrag und beauftragte ihn, mit Riomal das Einvernehmen zu pflegen. Sardan hatte bereits von Holland und Spanien je 500 Dublonen erhalten und nun überwies Coloma dem Marqués 50.000 reales. Es scheint, daß Sardan um Verlängerung des am 30. September abgelaufenen Vertrags ersucht hatte, denn Coloma schrieb, er habe diesem mitgeteilt, daß eine geringe Verzö­gerung nichts ausmachen würde27). Indessen hielt Frankreich gute Wacht. Der Marschall Gramont schrieb an Louvois am 22. Oktober 1674, daß Audijois, der auf einem der Güter des Herzogs in Guyenne lebte, ihn um eine Aussprache hatte bitten lassen. Louvois holte dafür die Zustimmung des Königs ein, doch Gramont ant­wortete Audijois nicht „comme j'ai beaucoup de défianoe de certains gens et que je juge d’ordinaire ce qu’iis peuvent faire par ce qu'ils ont fait“. Man sieht daraus, daß Audijois keinen guten Ruf hatte. Weiters schrieb Gramont, daß Audijois einige Zeit später nach Spanien gegangen sei unter dem Vorwände, eine Schuld einzutreiben und sich in Biescas in Gesellschaft von zwei Franzosen aufhielte, die einigemal versucht hatten, die Grenze zu überschreiten, sie aber wohl bewacht gefunden hatten. Einer davon war jener, der sich Foncenade nannte und mit Salinas nach Spanien gereist war. Die Franzosen hatten auch einen Verbündeten Sar­dans namens Michel Marton verhaftet und hielten ihn in Tarbes ge­fangen 28 *). Gegen Ende Oktober ging Riomal, der von Rohans Verhaftung ge­hört hatte, nach Mailand, von wo er am 10. November nach Genua zu­rückkehrte. Sardan schrieb am 3. November an den Marqués de Mejorada, Sekretär des Despacho Universal in Madrid, daß er gute Nachrichten habe; näheres gab er nicht an. In Wirklichkeit war alles still und eine Erhebung fand nirgends statt. In Spanien wurde man argwöhnisch. Am 12. November und am 16. Dezember 1674 sprach der Staatsrat gegenüber Don Juan de Austria das Mißtrauen in die Versprechungen Sardans aus. Dieser meldete am 13. November, daß sich die Dinge gut entwickelten; da er jetzt Geld habe, hoffe er in wenigen Tagen 3000 Mann zu haben, und seine Freunde aus Toulon hätten ihn benachrichtigt, daß in kürzester Zeit eine Erhebung von 12.000 Mann unweit des Ortes, wo sich Audijois aufhielt, stattfinden werde. Aus diesem Grunde bat er um Geld und Mu­nition. Angesichts der Skepsis in Spanien fand er es notwendig, am 22. November in einem Schreiben aus Huesca an Don Juan seine guten Absichten zu beteuern16). In einem Briefe vom gleichen Tage log er dem 25) Krämer a. a. O., S. 61 und 62. 26) Japikse a. a. O., S. 490. 27) Archivo general Simancas, Sección Estado, Legajos K 1663 D 23, No. 97. 28) Archiv de Service historique de l’Armée ä Vincenne, Correspondance de Louvois. 34*

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