Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)
MIYAKE, Masaki: J. M. Baernreither und „Mitteleuropa“. Eine Studie über den Nachlaß Baernreither
384 Masaki Miyake 3. der „Arbeitsausschuß für Mitteleuropa“ 106 107 108 109 *). Der „Deutsch-österreichisch-ungarische Wirtschaftsverband“ und der „Mitteleuropäische Wirtschaftsverein“ fusionierten sich später107). Bedeutende Mitglieder des erstgenannten Vereins waren auf österreichischer Seite (nach einer Liste vom 4. Jänner 1916) 108): Ernst von Plener als Präsident, Wilhelm Exner, Rudolf Sieghart, Richard von Schoeller und Heinrich von Wittek als Vizepräsidenten, Baernreither, Franz Klein, Rudolf Kobatsch, Stephan Licht, Joseph Redlich, Richard Riedl und Max von Tayenthal und andere als Vorstandsmitglieder von insgesamt 37. Baernreither wurde am 22. Dezember 1915 in den Vorstand gewählt106). IV. Schlußwort Während des Ersten Weltkriegs wurden in Deutschland und Österreich- Ungarn zahlreiche Pläne entworfen, ausgearbeitet und veröffentlicht, welche nur zu oft über eine bloße wirtschaftliche Zusammenarbeit der beiden Mittelmächte auf völkerrechtlicher Basis hinaus auf eine wirtschaftlichpolitische Einigung Mitteleuropas abzielten. Doch gerieten alle diese Mitteleuropa-Projekte nicht über das Planungsstadium hinaus und blieben in diesem Sinne nur unverwirklichte geschichtliche Möglichkeiten. Mit dem militärischen und politischen Zusammenbruch der beiden Zentralmächte war allen diesen Plänen dlie nun einmal zur Realisierung notwendige machtpolitische Voraussetzung entzogen. Auch das Abkommen von Spa zwischen Kaiser Karl und Wilhelm II. vom 12. Mai 1918 blieb eben nur ein kurzes Zwischenspiel. Nur sehr schwer läßt sich die ideelle Wirkung und damit auch der geistige Einfluß aller dieser Mitteleuropa-Konzeptionen und -Pläne auf die offizielle Politik der beiden Regierungen abschätzen. Noch schwerer ist es aber, die Wirkung jedes einzelnen konkreten Plans zu erfassen, und das vor allem dann, wenn es sich wie bei Baernreither um die Projekte eines Privatmannes handelt, welcher etwa im Gegensatz zu einem Jagow nur ganz inoffiziell im Hintergrund für seine Ideen eintreten konnte. So mußten wir uns in dieser Studie über Baernreithers Mitteleuropa-Konzeption damit begnügen, auf die Art und Entstehung seiner Ideen und vor bank (Wien), Lloyd Österreich (Triest), Union-Elektrizitäts-Gesellschaft A. E. G. (Wien), Zentralverband der galizischen Fabrikindustriellen (Lemberg): Nachlaß Baernreither, Karton 20, Mappe „Mitteleuropäischer Wirtschaftsverein“ Fol. Nr. 128—129. 106) Über den „Arbeitsausschuß für Mitteleuropa“ vgl. Meyer, a. a. O., S. 230 f„ 269. Zwei von Friedrich Naumann an Baernreither gesandte Briefe und Protokolle über diesen Arbeitsausschuß befinden sich auch im Nachlaß Baernreither: Siehe Fol. Nr. 84, 86—87, 89—91. 107) Meyer, a. a. 0., S. 147. uw) Nachlaß Baernreither, a. a. 0„ Fol. Nr. 96. 109) Ebenda, Vgl. „Wahlvorschlag für die Generalversammlung am 22. Dezember 1915“, a. a. 0., Fol. Nr. 113.