Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)
MIYAKE, Masaki: J. M. Baernreither und „Mitteleuropa“. Eine Studie über den Nachlaß Baernreither
J. M. Baernreither und „Mitteleuropa“ 375 liehe Zusammenarbeit zwischen beiden Mittelmächten unbedingt notwendig sei59 *). Etwa um diese Zeit schrieb Baernreither einen Brief an Alexander Wekerle, welcher ungarischer Ministerpräsident gewesen war, als Baernreither an den Ausgleichsverhandlungen von 1907 teilgenommen hatte. (V. Anhang 1. Dokument 2) eo). In diesem und in einem anderen Brief an Zdenko Fürst Lobkowitz, den späteren Generaladjutanten Kaiser Karls, vom 10. Mai (V. Anhang 1. Dokument 1) nimmt er deutlich für einen engen wirtschaftlichen Anschluß an Deutschland bei restloser Anerkennung der ungarischen Staatlichkeit Stellung61 62). Im Sommer 1915 verfaßte Baernreither eine neue, aber wesentlich umfangreichere Denkschrift, welche den Titel trägt: „Denkschrift über das wirtschaftspolitische Verhältnis Österreich-Ungarns zu Deutschland“ °2). Sie unterscheidet sich in verschiedenen Punkten von seinem Exposé. In dieser Denkschrift betont er noch einmal, wie dringend notwendig der 59) Vorschläge die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Österreich-Ungarn und Deutschland betreffend, die im „Nachlaß Baernreither“ aufbewahrt werden: Max Hoffmahn, „Der Wirtschaftsbund mit dem Deutschen Reich. Referat gehalten in der Vollversammlung der ,Sektion Wien* des .Bundes Österreichischer Industriellen' am 22. Juni 1915 vom Obmann der Sektion Kommerzialrat Max Hoffmahn“ (Druck: Wien 1915): Karton 30, Fol. Nr. 252—261. Wilhelm von Medinger, „Zum wirtschaftlichen Anschlüsse an Deutschland“, Rede im Industriellen Klub vom 27. Mai 1915: Fol. Nr. 367—376. Max von Tayenthal, „Ein Zoll- und Handelsbündnis mit Deutschland“ (ohne Datum): Fol. Nr. 413—423. G. Raunig, „Wirtschaftspolitische Annäherung“, 2. März 1915: Fol. Nr. 482 bis 485. Karl Urban, „Referat über den Plan einer Zolleinigung zwischen Österreich- Ungarn und Deutschland“, Wien 1915: Fol. Nr. 406—412. Derselbe, „Programmatische Grundsätze eines Zoll- und Handelsbündnisses zwischen Österreich-Ungarn und dem Deutschen Reich“, Vorschrift: Fol. Nr. 364 bis 366. Joseph Szterényi (ung. Staatssekretär im Handelsministerium a. D., Mitglied d. ung. Reichstages), „Wirtschaftliche Annäherung“ : Fol. Nr. 553—555. „Studien über Konstruktion einer Zollunion mit dem Deutschen Reiche“ (aus Regierungskreisen): Fol. Nr. 163—177. eo) Alexander Wekerle (1848—1921): 1892—1894, 1906—1910 und später 1917—1918 ung. Ministerpräsident. Baernreither war Mitglied der österreichischungarischen Delegation und 1907 außerdem noch der Berichterstatter der Ausgleichskommission unter Johann Chlumecky als Obmann: Nr. 23 der Beilagen zu den stenogr. Protokollen des Herrenhauses, XVIII. Session (1907): Nachlaß Baernreither Karton 29. 61) Meyer, a. a. O., S. 187. 62) Nachlaß Baernreither, Karton 30. Diese Denkschrift, die 64 Seiten umfaßt (sein Exposé umfaßt nur 26 Seiten), war, wie es auf dem Einbanddeckel heißt „vertraulich, als Manuskript gedruckt, nicht für die Öffentlichkeit bestimmt“. Diese Denkschrift erschien vermutlich Anfang September 1915, vgl. Schicksalsjahre Österreichs, Bd. II, S. 60 und S. 380 meiner Studie.